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an massigem Material zu einer sekundären Bedeutung herab, nämlich des Mittels zum aesthetischen Zweck, und die Kostbarkeit des Stoffes, der Schimmer polirter Säulen und vergoldeter Kapitelle, stellt sich auf
eine Stufe mit der Qualität und dem Charakter, beziehungsweise der Klangfarbe der Instrumente, die im Orchester zusammenwirken. Die ganze Konstruktion des Gebäudes erwiese sich ebenso als Herstellungsmittel, wie wir die Bekleidung des Gerüstes, die tektonische Gliederung und die Durchbildung der Kunstformen als Darstellungsmittel betrachten. Damit wäre die ganze Wucht der Materie in ihrer erdrückenden, durch die Jahrhunderte vervielfachten
Formenfülle, wenigstens für einen Augenblick abgestreift, und vor dem geistigen Auge stünde die architektonische Schöpfung, noch immer in mannichfaltigen Formen, aber doch rein, der Frage zugänglich, die wir stellen.
Und um weiter zu kommen hätten wir uns nur des einen Grundsatzes für alles menschliche Schaffen zu erinnern, dass Nichts zu sinnlich wahrnehmbarer Erscheinung gebracht werden kann, was nicht vorher der Phantasie als Ahnung des gewünschten Erfolges vorgeschwebt hat und der Seele so wenigstens den Antrieb zur schöpferischen Betätigung der Kräfte
eingegeben.
Versuchen wir darnach die verschiedenartigsten Erscheinungen, die beim ersten Gedanken an unser Thema vor uns aufstiegen, unter einen gemeinsamen Gesichtspunkt zu fassen: von der Höhle des Troglodyten zu dem Zelt des Arabers, vom langen Strassenzug des aegyptischen Wallfahrtstempels bis zum
August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/17&oldid=- (Version vom 23.8.2025)