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wird. Ja, auf höheren Stufen der Supposition schafft die Kunst Ausstralungen einer idealen Einheit; die juristische Person, die Körperschaft, die Gemeinde,
oder gar eine abstrakte, aus der staatlichen, sozialen, religiösen Gemeinschaft abgeordnete Idee, ein Faktor der vorhandenen Civilisation, der herrschenden Kulturarbeit vertritt die Stelle des ursprünglich menschlichen
Subjekts wie z. B. im Justizpalast, im christlichen Gotteshaus, in der Universitas literarum.
Immer ist die Raumumschliessung dieses Subjektes die erste Hauptangelegenheit, d. h. die Einfriedigung oder Umwandung nach den Seiten zu, nicht die Bedachung nach oben oder gar die Bezeichnung und Ausbildung des Höhenlotes. Lange mag sich die Einfriedigung, Umhegung und Umwandung unter freiem Himmel bewegen. Die Raumgebilde dieser Art, wie der griechische Hypaethraltempel und der aegyptische Wallfahrtstempel, gehören nicht minder zur Architektur als unsere vier Wände, von denen wir noch heute als Hauptsache reden.
Nächst dem Höhenlot, dessen lebendiger Träger mit seiner leiblichen Orientierung nach oben und unten, vorn und hinten, links und rechts bestimmend weiter wirkt[1], ist die wichtigste Ausdehnung für das
eigentliche Raumgebilde vielmehr die Richtung unserer freien Bewegung, also nach vorwärts, und zugleich unsers Blickes, durch Ort und Stellung unserer Augen bestimmt, also die Tiefenausdehnung. Ihre Länge bedeutet für das anschauende Subjekt das Mass seiner freien Bewegung im gegebenen Raume so notwendig,
wie es gewohnt ist vorwärts zu gehen und zu sehen. Erst mit der freiern Ausdehnung der Tiefenaxe wird
August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/24&oldid=- (Version vom 22.8.2025)
- ↑ Daß auch diese Orientierung sich physiologisch aus der innern und äußern Organisation des Menschen erklärt, bedarf hier keiner Ausführung.