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einen Innenraum abschliessen soll als Raumganzes für sich, dass weder die fast unsichtbare Glasscheibe noch die Säulenreihe mit offenen Intervallen als Aequivalent fungiert und nicht leistet, was schon der
Teppich vermag. Sie handelt dann ebenso konsequent in der festen Abschliessung nach oben: das übergespannte Tuch, das vor Sonne, höchstens vor leichtem Regen noch schützt, wird zur flachen Holzdecke, zur steinernen Querlage, zur festen Wand nach oben, oder als Gewölbe noch inniger mit dem Stützwerk verbunden, wol gar als Kuppel dem Firmament im Kleinen vergleichbar. Mit der allgemeinen Festigung der Kultur, mit der Ausgestaltung einer Lebens- und Weltanschauung auf Grund ererbter Traditionen oder systematischer Lehre hat auch die Architektur als künstlerische Gestaltung der Grundlage und des dauernden Schauplatzes, als treue Bundesgenossin und Verkünderin menschlicher Gesittung sich fühlen und verhalten gelernt, und passt seitdem ihr Herstellungsmaterial und ihre Darstellungsmittel immer bewusster dem Geiste an, der in ihrem Werke seinen Ausdruck sucht.
Es ist ja das Bleibende und Ausgemachte im Glauben eines Volkes, einer Zeit, dem die Architektur die Stätte bereitet, und oft im gewaltsamen Wechsel, wenn alles Uebrige zu wanken droht, durch die erhabene Sprache, die ihre Steine reden, noch einen Rückhalt giebt.
Da stehen sie noch heute ‚,die fossilen Gehäuse ausgestorbener Gesellschaftsorganismen“, wie man die
Monumente der Vergangenheit bezeichnend genannt
hat. Aber wir Menschen des neunzehnten Jahrhunderts
August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/35&oldid=- (Version vom 23.8.2025)