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     Sollte es wirklich anders stehen mit uns, wenn heutigen Tages sich vor unsern Augen ein Hochsitz der Rechtsgewalt erhebt, die das deutsche Volk sich aufgerichtet als feste Burg der bessern Ueberzeugung, selbst gegen die Anwandlungen persönlichen Rechtsgefühls und seine Schwankungen bei den Einzelnen? –
     Sollte die Architektur auch heute noch, sich selbst besinnend auf die uralte ewige Innenseite all ihres Schaffens, nicht als Raumgestalterin sich selber wiederfinden, und damit auch den Weg zum Herzen des Laienvolks? Es ist der Geist, der sich den Körper baut, sagt man wol. Die Geschichte der Baukunst ist eine Geschichte des Raumgefühls, und damit bewusst oder unbewusst ein grundlegender Bestandteil in der Geschichte der Weltanschauungen.
     Dem wahren künstlerischen Ausdruck unsers eigensten Raumgefühles von heute an allen bleibenden Stätten unsrer Kulturarbeit, bis hinein in die wohnliche Umschliessung und trauliche Fassung unsers persönlichen Daseins, wird es gewiss auch in der Gegenwart an freudigem Entgegenkommen und geniessender Dankbarkeit nicht fehlen.
     Dem Historiker geziemt es, sich bei sachlicher Erkenntnis zu bescheiden, auch wenn sie auf dem künftigen Wege nur einen ersten Ausgangspunkt bedeuten kann.
     Er reicht der alten ehrwürdigen Freundin Architektur aufs Neue die Hand, trotz Allem was man über diese Wahl zu rechten finde!

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Empfohlene Zitierweise:
August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/37&oldid=- (Version vom 22.8.2025)