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Wer vor die Aufgabe gestellt wird, an einer der grössten Universitäten Deutschlands die mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte als Lehrfach zu vertreten, hat gewiss alle Ursache, die festen Gesichtspunkte, die seine Behandlung eines so ausgedehnten historischen Verlaufes bestimmen sollen, zu erneuter Prüfung ins Auge zu fassen.
     Nach langer Lehrtätigkeit an andern Universitäten mochte sich Anton Springer die Frage vorlegen, wie weit in dem umfassenden Zeitraum, den er beherrschte, eine gesetzmässige Entwicklung zu erkennen sei, und ob die greifbare Wiederkehr der nämlichen Wandlungen auch einen gleichmässigen Zuschnitt der Darstellung gestatte. Oder die Frage nach dem Wesen der bildenden Kunst durfte mit den Worten eines Denkers und Dichters wie Dante, wenigstens für eine gewisse Periode der Vergangenheit, ihre Beantwortung finden, wie es Hubert Janitschek im Hinblick auf Giotto, doch nicht ohne Beziehung auf die Gegenwart versucht hat. Sonst freilich wäre das Wesen der Kunst überhaupt, das im weiten Umkreis ihrer Geschichte sich auseinanderlegt, wol allzuschwer in kurzen Zügen zu zeichnen, und gerade der Historiker,

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August Schmarsow: Das Wesen der architektonischen Schöpfung. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1894, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Wesen_der_Architektonischen_Sch%C3%B6pfung.pdf/9&oldid=- (Version vom 22.8.2025)