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Und wo sie wohnen? Schaut auf Erden um!
Die Mannesbrust übt Ringen und Erstreiten;
D’rum in der Frauenherzen Heiligthum,
Da wohnen sie, ein Segen allen Zeiten.
Gar harter Bodenist des Lebens Bahn;
Des Mannes Kraft will ihn zur Ernte führen;
Und sinnig knüpft die Frau ihr Wirken an:
Die Garben uns mit Blüthenkranz zu zieren.
So von der Scholle zur allwaltenden Natur,
Von Sorgen so zu freudigem Genießen
Führt edler Frauenherzen Segensspur,
Und: „Fried’ auf Erden!“ tönt’s im Wort, dem süßen.
Der Engel Bild? O, schaut ein Kindlein an!
Ihr nennt es kosend recht schon einen Engel;
Schaut ihm in’s Auge, fühlt der Händlein Nahn,
Sein munt’res Regen sühnt viel Erdenmängel.
Im Lallen grüßt’s, das keiner Sprache Laut;
Doch ob die Mutter nicht solch’ Lall’n verstände?
Des Kindes Ruf tönt wie ein Spruch so traut,
Der uns auf’s Neu’ der Engel Chor verbände.
D’rum was Er sprach, von dem in heil’ger Nacht,
Als Heiland uns, die Menschenwelt vernommen,
Es mahnt noch fort und fort mit Liebesmacht:
„Die Kindlein laßt, die Kindlein zu mir kommen!“
Sie nahen uns mit unschuldsvollem Blick,
Als bäten sie mit rührender Geberde:
„O, drängt den Engel nicht in uns zurück,
Daß aller Welt ein Wohlgefallen werde!“ –
Doch sieh, wie in der Krippe Er als Kind,
Von Linnen dürftig nur umhüllt, gebettet,
Er, der aus Menschensatzungs Truggewind
Zu gläub’ger Lieb’ auf weig und gerettet –
So harren Viele, hier und dort, der Hand,
Die ihrer Niedrigkeit sich mild erbarme,
Und sie, den Engeln wie einst wir, verwandt,
Zurückgeleit’ in Gottes Vaterarme.
Die Eltern stehn, gebeugt von Sorgen tief,
Hinausgerufen von des Tag’s Geschäften,
Das Kind, das Gott für sie in’s Leben rief,
Zu pflegen, – liegt nicht in der Liebe Kräften.
Viel tausend Elternzähren rinnen heiß
Oft auf den Liebling, den sie früh verlassen;
Viel Herzen, seufzend bei der Stirnen Schweiß;
Sie kehren sich vom Lieben wohl – zum Hassen.
Schaut in die Hütten, seht der Kindlein Loos!
Und zu den Eltern tretet – mit Erschrecken
Wird euer Herz auch wilde Rohheit blos
In Wort und That Gesunkener entdecken.
Da mahnt das Wort des Herrn uns dreifach laut:
„Die Kindlein laßt, die Kindlein zu mir kommen,
Denn ihrer ist das Himmelreich!“ – und schaut,
Allüberall regt sich die Hand der Frommen.
Daß nicht der Leib, und daß die Seele nicht,
Die göttliche, von rechter Bahn sich kehre,
Sorgt treue Hülfe, daß es nicht gebricht,
Des Ruf’s gedenk:„Gott in der Höh’ sei Ehre!“
Christian Gottlob Ernst am Ende: Der Weihnacht Engel. Ernst am Ende, Radeberg 1852, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Weihnacht_Engel.pdf/3&oldid=- (Version vom 25.12.2025)