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| unbekannt: Die Chemnitzer Speiseanstalt | |
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† Die Chemnitzer Speiseanstalt. Der folgenden dem Chemnitzer Zentralanzeiger entnommenen Aufstellung fügen wir bestätigend hinzu, daß diese Anstalt unter der Leitung des Herrn Weisenborn sich eines besonderen Aufschwungs erfreut. Nur seiner aufopfernden Beharrlichkeit gelang es, ihr Fortbestehen zu sichern und als unabhängiger entschlossener Mann den Verdächtigungen und Angriffen zu stehen, denen begreiflich ein Unternehmen ausgesetzt sein muß, was so manche Einzelinteressen in einer Stadt wie Chemnitz verletzt. Sein administratives Talent, seine weise Sparsamkeit und Benutzung aller Vortheile gewährleisten den Bestand dieser „Gesellung von Kräften“; ein Vorbild für anderweitige gemeinschaftliche Unternehmungen zum Besten der – „nicht vom Glücke Gesegneten“. – Die Chemnitzer Speiseanstalt gibt den Beweis, was durch die Energie und den guten Willen eines Einzelnen geleistet werden kann, wenn sonst die Umstände nicht ganz ungünstig sind. Daß an anderen Orten solche Speiseanstalten sich nicht haben erhalten können, daran ist zum Theil Schuld: die Ungunst der Verhältnisse, die Armuth der Gemeinde und der Einwohner, welche letztere selbst nicht die paar Pfennige zu einem guten Mittagsessen aufbringen können – die „Kartoffel- und Milchkaffeseuche“ die Sklaverei verarmter Leute unter dem Borgsystem der Höker, das Entgegenwirken gewisser Klassen von Lebensmittellieferanten. Zum Theil aber fehlt es an Persönlichkeiten, die sich rücksichtslos und selbstverleugnend in die Brandung stürzen, und die Sache in die Hand nehmen. An Leuten, wie Schanz (Bürgermeister in Chemnitz, Begründer der Speiseanstalt) und Weisenborn ist überall kein Ueberfluß. Das ist eine traurige Wahrheit, die mehr und mehr unwahr werden möge.
Referent hat die Speiseanstalt in Chemnitz persönlich besucht, und dort gegessen, wobei er den Wunsch nicht unterdrücken konnte, daß mancher Speisewirth einen so guten Koch haben möchte wie sie. Die größte Sauberkeit und Reinlichkeit herrschte überall, die Leute drängten sich an den Ausgabefenstern. In einer geräumigen Stube saßen Arbeiter und Soldaten und ließen es sich trefflich schmecken. Von einer Porzion zu 12 Pfennige konnten 2 Personen satt werden. Die Vorräthe von Lebensmitteln waren in Masse vorhanden. Herr Weisenborn legte einen besondern Nachdruck auf die Nothwendigkeit eines umsichtigen und zeitrichtigen Einkaufs, wobei man sich von keinen Nebenrücksichten leiten lasse, sondern lediglich sein Augenmerk auf die Billigkeit und Güte der Waare richten müsse. Interessant waren seine Bemerkungen über die Ab- und Zunahme der Benutzung der Anstalt. Mit der Gurken- und Kartoffelzeit nimmt der Besuch ab, mit Herannahen des Frühjahrs, zu, weil dann die Kartoffelvorräthe abnehmen. Wenn eine solche Anstalt in einer Zeit wo das Brod so wohlfeil ist wie jetzt, bestehen kann, so dürfte ihr Bestand wol überhaupt gesichert sein, natürlich unter Voraussetzung guter Verwaltung, wenn auch nicht bis zu der Aufopferung Weisenborn’s, welcher, wie er scherzhaft erzählte, seiner Frau einmal ein Stück Speck aus der Speisekammer abgeschnitten habe, um seinen Haasenbraten damit zu spicken. „Gott gebe dem guten Werke ferneres Gedeihen!"
Graupen mit Rindfleisch. – Erbsen mit Schinken, – mit Leberwurst. – Reis mit Rindfleisch, oder Kartoffelstücken mit Kümmel und Rindfleisch. – Linsen mit Bratwurst, – mit Leberwurst. – Hirse mit Schweinefleisch. – Kartoffelmuß mit Wurst. – Linsen mit Schweinefleisch. – Fadennudeln mit Rindfleisch. – Erbsen mit Bratwurst. – Klöse mit Schweinefleisch, und ohne dasselbe. – Linsen mit frischer Schweißwurst. – Sauerkraut mit Wellfleisch. – Erbsen mit Kalbsbraten, – mit Wurst. – Saure Kartoffeln mit Kochwildpret. – Erbsen mit Pökelschweinsknöchelchen, – mit Wurst. – Kartoffelmuß mit Rehbraten, – mit Wurst. – Kartoffelstückchen mit Majoran. – Kartoffelmuß mit Schinken, – mit Leberwurst. – Kartoffelklöse mit frischer Schweißwurst. – Kartoffelmuß mit Schweinspökelbraten. – Kartoffelklöse mit Meerrettig und Schweißwurst. – Kartoffelklöse mit Meerrettig und Schweinefleisch, oder Rehbraten. – Kartoffelmuß mit Haasenbraten, desgl. mit Rinderbraten.
Besser als schöne Worte sprechen stets Thatsachen und Zahlen. Aus diesem Grunde unterlassen wir es, der hiesigen Speiseanstalt und ihrem nicht genug zu achtenden Vorsteher, dem nunmehrigen Ehrenbürger unserer Stadt, August Weisenborn, eine lange Betrachtung zu widmen und die ungeheure Thätigkeit und bewundernswerthe Umsicht zu preisen; wir begnügen uns mit der einfachen Angabe in Zahlen A) der eingekauften und verwendeten Materialien, B) der unentgeldlichen Speisevertheilungen an Arme, C) der zu letzterem Zweck verwendeten Geschenke, D) der Porzionenzahl, E) der Benutzung des Abganges und F) des von der Anstalt erlittenen Verlustes. Hierbei bemerken wir nur, daß solche Geschenke der Anstalt nicht zu Gute kommen, sondern einzig und allein zu unentgeldlichen Speisevertheilungen verwendet werden, die Anstalt aber sich selbst erhält. Es ist durchaus kein Almosen, wenn Jemand Speise aus der Speiseanstalt entnimmt, sondern je mehr Abnehmer, desto besser kann die Anstalt bestehen, und es würde ein noch weit günstigeres Resultat sich zeigen, wenn mehr Bewohner unserer Stadt regelmäßig an der auf Grundsätzen vernünftiger Assoziazion errichteten Anstalt Theil nähmen. Das Anlagekapital ist noch unversehrt vorhanden, denn am Schlusse vorigen Jahres hatte die Anstalt in Baar und aufgespeicherten Vorräthen ein Vermögen von 853 Thlr. 7 Ngr. 7 Pf., wozu noch ein Inventar von 200 Thl. an Werth kommt. – Wir bitten das Massenhafte nachstehender Verzeichnisse genau zu beachten:
unbekannt: Die Chemnitzer Speiseanstalt. Deutsche Gewerbezeitung und Sächsisches Gewerbe-Blatt, Leipzig 1849, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutsche_Gewerbezeitung,_Nr._37,_1849.pdf/7&oldid=- (Version vom 27.11.2025)