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zusammengebrochen sei, aber erst auf der Schwelle geblutet habe?«

Er breitet die Hände aus, er schüttelt den Kopf.

»Wer beweist jetzt noch deine Unschuld.«

»Du selbst hast die Spuren von der Hand eines Unbekannten an den Möbeln nachgewiesen. Du hast bewiesen, daß ich in meinem Zimmer von draußen eingeschlossen war, wie jede Nacht. Hat ein Mitschuldiger mich eingeschlossen? Aber das wüßtest du, denn du wärst es selbst.«

»Ich habe dich vorhin gesehen. Ich habe dich – geküßt. Du wirst mir nicht einreden, daß du gespielt hast.«

»Ich habe gespielt. Ich habe dein Heldentum erprobt.«

»Dann sage ich: ein unwürdiges Spiel!« – und er stößt einen Stuhl auf den Boden. »Ich durfte besseren Dank erwarten.«

»Vielleicht fühlte ich das – zu sehr.«

»Du hast mich in deinem Leben als Meister gesehen: das verzeiht ihr nicht. Ah! es ist die Rache des Weibes. Wir dürfen nicht so klar, nicht so hoch sein; man benützt den elenden Kniff des Geschlechts, uns herabzuziehen und zu trüben.«

Er geht umher, die Hand am Halse und gefolgt von ihren Augen. Mit gewaltsamer Ruhe:

»Was geschehen ist, tut mir leid für dich. Du, die ich über alle stellte, – und auch du bist wieder nur das Weibchen, das die Widerstandskraft des Mannes auf die Probe stellt: bist die Schauspielerin. Wie verrucht du gespielt hast!«

»Ich habe wohl gespielt. … Aber bin ich so sicher, daß die Dinge, die du wirklich nennest, kein Spiel waren? Der Mord, und was dann mit mir geschehen ist? Wozu das alles? Warum sollte es ernst sein? Ich war immer so sehr allein und anders, daß ich meine Schicksale und Handlungen, meine Gefühle selbst, alles im Grunde für ein folgenloses Spiel hielt.

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/16&oldid=- (Version vom 31.12.2025)