Seite:Die Fackel Nr. 301–302.djvu/23

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

– Nichts weiter?

– Eine Schwester habe ich totgeschlagen und noch die zweite, damit sie nicht auf der Straße ver- sauen. – Kannst du mir jetzt deine Hand reichen? kannst du es?

Czerkaski drückte heiß und inbrünstig die Hand des Fremden.

– Du hast an deiner Mutter und an deinen Schwestern wohlgetan … Du bist tatsächlich ein edler und feiner Mensch … Noch mehr: Du bist ein Wohltäter in großem Stil – das ist wirklich Güte … jede andere verdient kaum, daß man sie anspeit, ist höchstens der Hautkitzel, mit dem ein paar elende Flöhe den Menschen belustigen. Ja, du bist ein edler Mensch.

Und der baumlange schwarze Kerl fing an zu strahlen – er wippte auf seinen langen Beinen, kroch wieder zusammen, umfing Czerkaskis Knie, faßte seine Hand, küẞte sie, daß sie ganz von seinen heißen Tränen benetzt war.

Czerkaski entriß ihm mit Widerwillen und Ekel seine Hand.

– Hinweg, du unreines Gewissen, das du Verbrechen begehst und hinterher mit Winseln um Verzeihung bettelst … Anders – ganz anders muß man es machen.

Weg mit dir!

Und plötzlich schrumpfte der Baumlange zu einem Zwerg zusammen, hüpfte vor ihm hin und her, streckte die Zunge aus, machte eine lange Nase, kroch ihm zwischen die Beine und wälzte ihn um, dann sprang er ihm hinterlistig auf den Nacken und stieß sein Gesicht in den Kot.

Endlich gelang es Czerkaski mit unmenschlicher Anstrengung, ihn von sich abzuwälzen, und er raffte sich auf.

Eine Wut kochte in ihm, daß er, wenn jetzt

Empfohlene Zitierweise:
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/23&oldid=- (Version vom 31.12.2025)