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tausend Wurfspieße auf ihn gerichtet gewesen wären, sich unbedingt auf sie geworfen hätte.

Er sah sich ringsum, fühlte, daß ihm der Schaum vor den Mund trat: vor ihm, hinter ihm tanzte und hüpfte irgend ein winziges, höllisches, boshaftes Monstrum, er wollte es fassen, ihm das Genick brechen, es an den Beinen fassen, es auseinanderreißen. – Plötzlich – mit einem Ruck kam er zur Besinnung.

In seiner Hand hielt er eine andere – ein klein-kleines Händchen von einem jungen kaum zwölfjährigen Mädchen, das ihm kokett und vertraulich zulächelte.

Er ließ ihre Hand los – tief verwundert.

– Wer bist du? fragte er sie.

– Kommen Sie nur da an die Laterne, dann können sie mich besser anschauen.

Er ging neugierig ein paar Schritte weiter.

Sie blieb in dem Schein der Laterne stehen und sah ihn mit dem zynischen, herausfordernden Blick einer schamlosen, heruntergekommenen Dirne an.

– Um Gotteswillen, wie ist es nur möglich? Du bist ja doch noch ein Kind!

– O, da irren Sie sich sehr – ich könnte manche in ihrem Métier altergraute und verfaulte Hure belehren – keine versteht das Handwerk so gut, wie ich!

Für die billige Güte spuckt man den Menschen ins Gesicht – und mit Recht … er lächelte – nun probieren wir einmal die große und schwierige Güte.

– Nun, dann wollen wir einmal deine Kunstfertigkeit versuchen, grinste er – komm mit!

– Ein wenig wirst du warten müssen – raunte sie ihm zu und kitzelte ihn an der Halsader. Zuerst werde ich ein paar amüsante Lieder absingen müssen. Und dann: ganz zu deinen Diensten, denn du bist ein guter Kerl. Ich werde dir ein Vergnügen bereiten, daß du dich dein Lebtag lang an mich erinnern sollst.

Sie führte ihn in eine schmutzige, stinkende Hafenkneipe hin, rückte ihm einen Stuhl in die Ecke.

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/24&oldid=- (Version vom 31.12.2025)