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– Hier wirst du auf mich warten.

Sie verschwand.

Er setzte sich hin und sah sich um.

An zehn, zwölf Tischen saßen betrunkene Matrosen, Zuhälter, Einbrecher, Messerhelden – er zählte sie sich alle gewissenhaft auf – Mädchenhändler, Apachen. Diebe und Halunken aller Art, er fühlte sich in dieser Gesellschaft gut und behaglich.

Noch nie hatte er sich so wohl gefühlt.

Das sind doch einmal wirkliche Menschen und noch dazu die einzig guten Menschen. Von einer ganz anderen Art, wie jener langweilige sentimentale Kerl, der um den Handdruck eines ehrlichen Menschen unlängst gebettelt hat, um die Sünde einer billigen Güte von sich abzuwischen – diese da – die brauchen es nicht, die haben es nicht nötig, sich in boshafte, monströse Zwerge zu verwandeln, die einen totplagen, wenn man ihnen den Sündennachlaß verweigert.

Diese da stehlen und morden so mir nichts dir nichts – en passant – drehen sich nicht einmal um – und wenn sie das Galgenbrett betreten müssen, pfeifen sie frohgemut lustige Melodeien.

Er war ganz entzückt von dieser prachtvollen und wirklich guten Gesellschaft.

Nun sah er gradeaus vor sich hin. Der Vorhang: ein elender Schmutzlappen, ging auf.

Er harrte nun neugierig der Dinge, die da kommen sollten.

Auf der Bühne – eine so herrliche hatte er nie gesehen – sie war aus ein paar schmutzigen Brettern zusammengezimmert – erschien das Mädchen, das ihn hierhergeführt hatte, und hinter ihr eine alte Hexe mit einer Guitarre: das wird wohl ihre Mutter sein, dachte er feinsinnig.

Das Mädchen fing an zu singen.

Er horchte eine Weile hin und kam in Ekstase.

Nie noch hatte er etwas so Unflätiges, Rohes, so unerhört Zynisches gehört.

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/25&oldid=- (Version vom 31.12.2025)