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Es kam ihm vor, daß noch nie über die Lippen eines trauten, lieben Menschenkindes ein so schmutziger ekelhafter, schändlicher Unrat sich ergossen habe Worte, deren Laut schon ihn fast zum Erbrechen zwang, kreischten gell an seine Ohren und dazu noch die Pantomime, mit welcher das Kind den Liedertext illustrierte: es war erstaunlich!

Rings um ihn herum entstand ein unbeschreiblicher Jubel und er erfreute ihn.

Wie gut, wie unendlich gut werde ich für dich sein! dachte Czerkaski kalt und ruhig – endlich einmal werde ich für Jemanden gut sein.

Das Mädchen warf sich auf eine Pritsche und ahmte in verruchter Schamlosigkeit eine Art von geilstem Bauchtanz nach, schrie auf, winselte, schnalzte mit der Zunge, warf die Beine in die Höhe und schien in einem Wollustparoxysmus zu zerbersten.

Oh, wie unendlich gut werde ich für dich sein! Mit tiefer, zärtlicher Wonne dachte er an die Güte, die er diesem zarten Mädchen erweisen werde.

Und wieder ein neuer Gesang und noch ein Tanz, der jegliche Schamlosigkeit an grotesker Kühnheit übertraf.

Das kleine, schwache Mädchen warf sich auf den Boden hin, ihre Beine schnellten in die Höhe, umkrampften irgend eine imaginäre Gestalt, spreizten sich wieder weit auseinander, die Hände zuckten wie im Schüttelfrost, der ganze Körper warf sich in konvulsivischen Zuckungen – schneller noch – in wüstem Krampf, bis endlich die ganze unendlich gut gespielte Muskelorgie in einem langen verröchelnden Schrei der höchsten Lustbefriedigung erstarb.

Das Mädchen lag wie tot da.

– Alle Schleusen der höchsten Güte werde ich für dich öffnen, dachte Czerkaski und war glücklich.

Er hörte noch das betrunkene Heulen dieses herrlichen Publikums, wie er es noch nie in einer solchen Herrlichkeit hatte erstrahlen sehen – eine

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/26&oldid=- (Version vom 31.12.2025)