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spähte nach den Fehlern der andern, um zu sehen, ob sie gerecht seien.

Dann kam er in die Schule. Gewissenhaft und eingeschüchtert, lernte er immer seine Aufgaben, konnte sie zu Hause, aber in der Schule konnte er sie nicht immer, weil die Lehrer an den Kindern etwas auszusetzen suchten. So schlugen sie ihn wieder.

Aufs Land in eine Pension geschickt, kam er in eine schlechte Gesellschaft, wurde von einem älteren Kameraden in die öffentlichen Geheimnisse des Geschlechtslebens eingeweiht; und als das unschuldige Opfer hätte er beinahe den Verstand verloren, als er zum Bewußtsein erwachte, von welcher Natur die Handlung sei und welche Folgen sie habe.

Dann bekam er eine Stiefmutter und geriet in Verhältnisse, die ihn unter religiösen Grübeleien dem Selbstmord und dem Wahnsinn nahe brachten.

Bei keinem Menschen konnte er sich beklagen, denn die Angehörigen gaben ihm immer unrecht, wenn er recht hatte und man ihm unrecht tat.

Er kam zur Universität und man hatte ihm ein- geredet, wenn er nur Student wäre, stünde die ganze Welt ihm offen. Jetzt fand er sie im Gegenteil verschlossen, denn er hatte kein Geld für Bücher.

Und als er sein Tentamen machte, erhielt er keine gute Zensur, obwohl seine Kenntnisse größer waren als die der anderen, die eine bessere Zensur bekamen.

Überall stieß er auf Widerstand. Da floh er die Wissenschaft und wurde Schriftsteller. Als er jetzt Menschen und Leben schilderte, wurden sie so, wie sie sich ihm gezeigt hatten. Er machte sein Gesellenstück und es wurde verworfen. Lehrling mußte er bleiben, obwohl sich sein Gesellenstück dann besser als das von andern erwies; Lehrling bis zum dreißigsten Jahr.

Da hörte er auf, an Gott zu glauben, und war überzeugt, daß der Teufel die Welt regiere; was mit

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/31&oldid=- (Version vom 31.12.2025)