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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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Christi Lehre »vom Fürsten dieser Welt« stimmt, denn er lief nicht weltlicher Ehre nach, kroch nicht vor den Oberen, schmeichelte nicht.
Je besser er schrieb, desto weniger bezahlte man ihm, und desto mehr Tadel bekam er,
Als er sich verheiratete, nahm man ihm Weib und Kind, und zwar drei Male.
Als er mit sechzig Jahren seine Meisterwerke schrieb, wurden die so geschmäht, wie keine Arbeiten vorher, und er mußte bezahlen, um sie zur Aufführung zu bringen.
Während andere für ihre Arbeit bezahlt wurden, mußte er bezahlen; und wenn er bezahlt wurde, erhielt er weniger als die, welche schlechter schrieben.
Sein ganzes Leben hundsfottiert! Und die Menschen verlangten doch, er solle schön von ihnen schreiben! Das tat er zuweilen, dann aber waren es seine eigenen schönen Gedanken über eine Traumwelt, die nicht existiert,
Zuweilen sprach er die Menschen frei, entschuldigte und erklärte ihre Schwächen; dann aber erhob sich ein Sturm von Vorwürfen, daß er die Moral lockere. Zuweilen schilderte er die menschliche Erbärmlichkeit mit Mißbilligung, dann erhob sich ein Sturm, daß er streng und ungerecht sei.
Mit einem Wort, wie er sich auch benahm, er wurde hundsfottiert!
Kann man ein solches Schicksal erklären?
Vielleicht fühlten es die Menschen in der Luft, daß er den Kompromiß der Gesellschaft und deren unwahre Natur entlarven würde. Aber als Kind konnte er doch nicht geahnt werden?
Es hatte wohl andere Ursachen, die wir nicht wissen, aber die Swedenborg geahnt hat!
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/32&oldid=- (Version vom 31.12.2025)