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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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Carlos und Nicolas sind Geschwister, die in Argentinien aufwachsen, durch die Pampas jagen und dennoch rechte Kinder bleiben. Carlos ist sieben und Nicolas sechs Jahre alt. Drei Jahre später stehen sie mit ihrem Lehrer Doktor Bürstenfeger auf der Landungsbrücke von Buenos-Aires, um mit ihm nach Europa zu fahren.
Hier schließen die »Kinderjahre in Argentinien«, der erste Band des biographischen Romanes »Carlos und Nicolas«.
Im zweiten Band »Carlos und Nicolas auf dem Meere«[1] schildert Rudolf Johannes Schmied im engen Anschluß an das erste Hauptkapitel die Fahrt der »Lombardia« nach Genua.
Den spezifisch biographischen Wert der Teile für das Gesamtwerk können wir noch nicht beurteilen. Aber unabhängig davon, ob Schmied diese Jugend als Werdendes sieht und nicht als Vollendetes empfindet, leuchtet in uns die Freude über die Bücher, die wie Teile einer Trilogie in sich abgeschlossen, einzeln verständlich sind. In drei Stunden gleiten ihre Bilder wie schnelle Segler vorüber. Einige Szenen des zweiten Bandes, in denen ein Menschenschicksal zusammengeballt ist, haben die geraffte Energie der Schiffer, einen Wellenkamm zu erklimmen, um dann wieder über die ebene See zu fahren. Und der Gehalt versinkt wie ein Anker in das Meer unseres Bewußtseins. Wir haben einen neuen Dichter erkannt.
Carlos und Nicolas sind bei aller Verschiedenheit der Temperamente ein einziger Held. Die dynamischen Nuancierungen der Charaktere geben der Zweiheit Farbe und Wechsel. Beide sind zwar voll von Leben und tollen Gedanken und im tiefsten Innern gut. Beide lieben das Abenteuerliche und das Fremde und sehnen sich
nach Sieg und Ruhm. Beide wollen Könige sein und über Prärien herrschen, wie Männer kämpfen und wie Kinder spielen. Nur ist
- ↑ Erich Reiss Verlag, Berlin-Westend.
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/33&oldid=- (Version vom 6.2.2026)