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Strick um den Hals bandest und sie aus dem Fenster hängtest.«

»Ja: man würde seine Schlüsse daraus ziehen. Auch er. Vielleicht sogar du.«

»Gott bewahre! Eine Katze ist kein Mensch. Ein Kind ist keine Frau. Deinen Mann umbringen! Du, die ich habe zur Welt kommen sehen.«

»Was beweist das. Du hast vielleicht eine Mörderin zur Welt kommen gesehen.«

Die Alte spreizt die Hand. Sie macht sich zu schaffen, sie spricht weiter, ohne die Herrin anzusehen.

»Er sagte: Monika, sobald die gnädige Frau einen Salon betrat, beugte alles sich vor ihr: dafür rächt man sich jetzt. Wenn ich sie in ihrem Gefängnis besuche, schäme ich mich, als hätte ich selbst sie hineingesetzt. Ich muß gut machen, was an ihr verbrochen wurde, ich muß ihr das Vertrauen zu den Menschen wiedergeben.«

»Laẞ! Er sagte weiter: Ich habe zu arbeiten, zu kämpfen. Eines Tages wird sie blendend dastehen. Dann bin ich belohnt, dann bin ich groß. Sie braucht einen Retter.«

»Woher weißt du –?«

»Brauchte ich denn nicht einen Retter? Wo wäre ich jetzt ohne ihn? Mein Kopf läge in einer Grube.«

»Wir alle verdanken ihm unsere Freiheit. Sieh! vorhin, wie er an der Küche vorbeikam, hat sogar der Anton ihm die Hände geküßt.«

»Und du meinst, auch ich müsse sie ihm küssen … Vielleicht tue ichs; vielleicht geschehen ganz andere Wunder: wüßte ich nur, ob er je gezweifelt hat an meiner – Unschuld. Verbot er dir nicht, dies und jenes dem Richter zu sagen? … Nun?«

»Das wohl. Aber sei ihm nicht böse!«

»Böse? Wenn du ahntest!«

Sie geht umher.

»Er hat also gezweifelt, zweifelt vielleicht noch.«

»Wer zweifelt heute noch.«<

Empfohlene Zitierweise:
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/5&oldid=- (Version vom 22.3.2026)