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ich es öffnen möchte.« Da wird er aber vom König ins Gespräch gezogen. Und hier erst zeigt sich der ganze Unterschied zwischen Posa und Münz, zwischen der Enttäuschung, die jener, und der Befriedigung, die dieser empfinden mußte. Denn während Posa den König Philipp erst allmählich dahinbringen will, Bürgerglück versöhnt mit Fürstengröße wandeln zu lassen, bemerkt Münz zu seiner angenehmen Überraschung, daß der König von Bulgarien – was Bürgerkönig! – Bauernkönig ist, daß er den gesunden Kern mit der harten Schale vom ersten Tage an erfaßt hat, sich politisch ganz demokratisiert und dieser rauhen bulgarischen Volksseele sich hingegeben hat. Den Stock braucht er nur, weil er sich in diesem Klima auch die Gicht geholt hat, höchstens noch, um etwa ein Ende zu machen, wenn ein Interview zu lange dauern sollte, aber ganz gewiß nicht zu absolutistischen Zwecken. Übrigens scheint er den größten Wert auf die Anwesenheit des Münz zu legen, und dieser ist gar nicht imstande, alle Fragen, die von der Königsfamilie auf ihn einstürmen, zu beantworten. Wie ein wieder- gefundener Sohn wird Münz umringt, denn wenn er auch bei allen anderen Potentaten Europas wie's Kind im Herrscherhaus ist, so scheint sich hier eine ganz besondere Teilnahme seinen Bestrebungen zuzuwenden. »Wie hat es Ihnen in Konstantinopel gefallen?« beginnt der König, »Was waren Ihre Eindrücke?« … Es gefällt Ihnen nicht alles in Konstantinopel?« … »Und welchen Eindruck machten Ihnen die Truppen?« (Auf diese Frage versichert Münz, er sei kein Soldat, aber die Truppen hätten sein ästhetisches Wohlgefallen hervorgerufen.) Da will wieder die Königin wissen: »Und welchen Eindruck macht Ihnen Konstantinopel?« (Auch ihre Frage beantwortet Münz sehr entgegenkommend und ausführlich, wobei er versichert, daß er ein moderner Kulturmensch sei.) Da aber fragt der König: »Haben Sie den Sultan gesehen?« … »Und welchen Eindruck machte Ihnen der Sultan?« (»Ich habe«, antwortet Münz, »von seinen müden Gesichtszügen eine lange Leidensgeschichte abgelesen«) … »Und welche Eindrücke hatten Sie sonst in Konstantinopel? Haben Sie viele Menschen gesehen, die Minister, die Deputierten?« (»Ich habe«, antwortet Münz, der schon ein wenig ungeduldig wird, sichtlich knapp, aber taktvoll, »so viele Menschen sehen müssen, daß mir leider wenig Zeit für die Dinge blieb«). Die unausgesprochene Frage

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/51&oldid=- (Version vom 31.12.2025)