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des Kronprinzen Boris: Und haben sie nicht den kleinen Kohn gesehn? – offenbar meinte der Kronprinz den Konstantinopler Korrespondenten der Neuen Freien Presse – diese Frage beantwortet Münz wieder mit einer Frage, mit der er sichtlich von der Politik abschweifen will. Nämlich ob der Kronprinz, als er in Bayreuth war, nicht durch die überlange Dauer der Vorstellungen ermüdet worden sei. »Durchaus nicht«, sagte der Kronprinz, der sich im Gegenteil durch seinen Besuch in Bayreuth für den Besuch des Münz in Sophia trainiert hat. Und die Königin will das Gespräch beenden, indem sie, offenbar ganz unter dem Eindruck der Persönlichkeit, nachdenklich vor sich hin die Erkenntnis murmelt: »Ja, der Orient hat seinen Zauber«. Herr Münz wehrt bescheiden ab und sagt: »Majestät haben den Orient auch in seinen rauhesten Schrecken kennen gelernt«, führt aber, da die Königin eben höflich oh oh! sagen will, seine Meinung aus: »Majestät sind als Samaritanerin durch die Mandschurei gezogen«. Worauf wieder die Königin bescheiden abwehrt und das Wahrwort findet: »Der Mensch hat Pflichten, an welcher Stelle immer er steht.« Das Mißverständnis war also aufgeklärt, Herr Münz hatte die Mandschurei und die Königin hatte die Neue Freie Presse gemeint, und die Unterhaltung spann sich gemütlich weiter. Wie nahe Münz der bulgarischen Königsfamilie steht, geht daraus hervor, daß er »in der Lage war, dem König zu sagen«, er habe vor Jahren »eine angenehme Woche bei Freunden in Schloß Ketschendorf bei Koburg zugebracht und kenne auch die Gruft, in der des Königs Eltern ruhen«. Worauf der Kronprinz ihm beim Dessert ein Bonbon mit dem Bilde seiner beiden Schwestern zuschob und ihn »bat, es zur Erinnerung mitzunehmen«. Die Schilderung, die Herr Münz von der Hoftafel entwirft, stimmt durchaus zu dem Typus eines Königs, der sich schon ganz demokratisiert hat. »Die Tafel ist reich mit Blumen bedeckt. Manches alte Sévres fällt uns auf … Der König, der in alles eingreift …« Kein Wunder, daß er auch den gesunden Kern mit der harten Schale erfaßt. Die Speisesitten des Herrn Münz werden in dieser Schilderung als bekannt vorausgesetzt, denn sonst wäre es unbegreiflich, daß der König, dem die Neue Freie Presse den ausführlichen Bericht doch jedenfalls verdankt, diesen Punkt nicht berührt hat. Freilich fiele es aus dem Stil einer solchen Begegnung, die sich durchaus

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/52&oldid=- (Version vom 31.12.2025)