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in den feinsten welthistorischen Formen abspielt. Schon beim Eintritt des Münz war es dem König klar: Anders als sonst in Menschenköpfen malt sich in diesem Kopf die Welt. Münz bewundert die Porträts von des Königs Eltern, die Herr v. Angeli gemalt hat: da hört man deutlich, wie der König die Worte »Sonderbarer Schwärmer!« unterdrückt. Münz beteuert, er habe »in ganz Konstantinopel kein Pflaster gesehen wie in Sophia«. Der König (beiseite): Bei Gott, er greift in meine Seele! Die Bulgaren »müssen mit der Natur ringen«, sagt Herr Posa; und »man sieht überall eine Bauwut«. »Dem Undank haben sie gebaut«, meint Marquis Münz, »umsonst den harten Kampf mit der Natur gerungen.« Da aber jener nicht aufhört, den König über den Unterschied von Sophia und Konstantinopel aufzuklären, möchte man den König bitten, jetzt doch endlich auch das Zitat zu bringen: »Nichts mehr von diesem Inhalt, junger Mann!« Nur eine Äußerung hat der König bestimmt nicht getan: als nämlich Herr Münz beherzt sagte, er vermisse die Industrie in Sophia, und tollkühn das Offert einer österreichischen Anleihe machte, da hat der König sicher nicht mit den Worten abgeschnitten: Ihr seid ein Protestant! Denn sonst hätte Herr Münz wahrscheinlich antworten müssen: Ihr Glaube, Sire, ist nicht der meinige! Dagegen sprach der König davon, daß es »ihm, dem Fremden« in Bulgarien nicht leicht geworden sei, während wieder bei Schiller die Anspielung auf den »gekrönten Fremdling« in der späteren Ausgabe gestrichen ist. Abweichungen da und dort. Unausgesprochen blieb auf Seite des Herrn Münz der Gedanke: Lassen Sie mich, wie ich bin. Was wär’ ich Ihnen, Sire, wenn Sie auch mich bestächen? Dagegen liegt einem Spezialtelegramm aus Sophia zufolge eine Äußerung vor, mit der der König diese denkwürdige Unterredung abgeschlossen hat. Der Hofmarschall Draganow trat herein und der König rief: »Der Schmock wird künftig unter keinen Umständen, hören Sie Draganow, weder gemeldet noch ungemeldet vorgelassen!«

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Aphorismen und kein Ende

Es wäre nachzutragen, daß man von einem Osterei der Neuen Freien Presse, wenn es schon über achtzig Jahre alt ist, nicht mehr die volle Frische verlangen kann. Aber man macht dem alten


Empfohlene Zitierweise:
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/53&oldid=- (Version vom 31.12.2025)