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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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in den feinsten welthistorischen Formen abspielt. Schon beim
Eintritt des Münz war es dem König klar: Anders als sonst in
Menschenköpfen malt sich in diesem Kopf die Welt. Münz
bewundert die Porträts von des Königs Eltern, die Herr v. Angeli
gemalt hat: da hört man deutlich, wie der König die Worte
»Sonderbarer Schwärmer!« unterdrückt. Münz beteuert, er habe »in
ganz Konstantinopel kein Pflaster gesehen wie in Sophia«.
Der König (beiseite): Bei Gott, er greift in meine Seele!
Die Bulgaren »müssen mit der Natur ringen«, sagt Herr Posa;
und »man sieht überall eine Bauwut«. »Dem Undank haben
sie gebaut«, meint Marquis Münz, »umsonst den harten Kampf mit
der Natur gerungen.« Da aber jener nicht aufhört, den König
über den Unterschied von Sophia und Konstantinopel aufzuklären,
möchte man den König bitten, jetzt doch endlich auch das Zitat
zu bringen: »Nichts mehr von diesem Inhalt, junger Mann!« Nur
eine Äußerung hat der König bestimmt nicht getan: als nämlich
Herr Münz beherzt sagte, er vermisse die Industrie in Sophia, und
tollkühn das Offert einer österreichischen Anleihe machte, da hat der
König sicher nicht mit den Worten abgeschnitten: Ihr seid ein
Protestant! Denn sonst hätte Herr Münz wahrscheinlich antworten
müssen: Ihr Glaube, Sire, ist nicht der meinige! Dagegen sprach
der König davon, daß es »ihm, dem Fremden« in Bulgarien
nicht leicht geworden sei, während wieder bei Schiller die Anspielung
auf den »gekrönten Fremdling« in der späteren Ausgabe
gestrichen ist. Abweichungen da und dort. Unausgesprochen blieb
auf Seite des Herrn Münz der Gedanke: Lassen Sie mich, wie
ich bin. Was wär’ ich Ihnen, Sire, wenn Sie auch mich bestächen?
Dagegen liegt einem Spezialtelegramm aus Sophia zufolge eine
Äußerung vor, mit der der König diese denkwürdige Unterredung
abgeschlossen hat. Der Hofmarschall Draganow trat herein
und der König rief: »Der Schmock wird künftig unter keinen Umständen,
hören Sie Draganow, weder gemeldet noch ungemeldet
vorgelassen!«
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Es wäre nachzutragen, daß man von einem Osterei der Neuen Freien Presse, wenn es schon über achtzig Jahre alt ist, nicht mehr die volle Frische verlangen kann. Aber man macht dem alten
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/53&oldid=- (Version vom 31.12.2025)