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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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wurden, ein outriertes Hochdeutsch anzunehmen, das sie sich eigens für den Zweck erfunden hatte. Ein anderes Blatt war gewissenhafter. Man vergleiche:
| Neues Wiener Tagblatt: | Neue Freie Presse: |
| Präs.: Kennen Sie Herrn kaiserlichen Rat Popper? Zeuge: Ich bin in geschäftliche Verbindung mit ihm getreten und habe Ware gekauft bei ihm voriges Jahr. Präs. Haben Sie Kredit beansprucht und ist er Ihnen gewährt worden? Zeuge: Natürlich. Präs. Haben Sie nicht auch Bankkredit beansprucht? Zeuge: Möglich, daß davon gesprochen worden ist. Mir scheint, mit dem Herrn Liechtenstein hab’ ich geredet darüber oder mit Herrn Popper, ich kann mich nicht so ganz genau erinnern. Präs.: Welchen Bankkredit hätten Sie in Anspruch genommen? Zeuge (rasch): Der mir wäre gewährt worden! Angekl.: Von welcher Bank? Zeuge: Weiß ich? Angekl.: Haben Sie nicht gesagt, von der Zivnostenska Banka? Zeuge: Ich hab’ gesagt? Ich hab’ geglaubt, weil der Herr kaiserliche Rat ist Zensor bei der Zivnostenska Banka, daß ich vielleicht könnte Kredit bekommen. Präs.: Hat man Ihnen das gesagt? Zeuge: Gesagt? Nein. Ich hab’ mir gedacht. Angekl. (strenge): Haben Sie mir nicht im Café Zentral in der Herrengasse erzählt, daß Sie um 10.000 bis 15.000 K Ware bei Popper gekauft haben und daß er Ihnen Kredit verschafft hat? Zeuge (ängstlich): Ich habe Ihnen erzählt, daß ich mich gewendet hab’ an die Firma Beer? |
Der Präsident fragt, ob er mit dem Kläger in einer Geschäftsverbindung gestanden sei. Er bejaht, im vorigen Jahre habe er einen Geschäftskredit von der Firma beansprucht und dieser sei ihm gewährt worden. Der Präsident fragt weiter, ob dabei nicht auch von einem Bankkredit die Rede gewesen sei. Es sei möglich, antwortet darauf der Zeuge, daß es bei dieser Gelegenheit zu einem Gespräch darüber gekommen sei; ob mit Herrn Popper selbst oder mit Liechtenstein, wisse er nicht genau. Später habe ihm Liechtenstein bei einem Gespräch im Café Zentral von der Möglichkeit der Erwirkung eines Bankkredits für ihn, den er wünschte, gesprochen. Der Angeklagte fragt, bei welcher Bank der Kredit erlangt werden sollte. Zeuge: Ich weiß es nicht. Angekl.: Sie haben mir aber gesagt, daß es bei der Zivnostenska sein sollte. Zeuge: Das habe ich mir gedacht. Angekl.: Sie dachten dies, weil Popper Zensor bei der Zivnostenska ist. Zeuge gibt dies zu. Angekl. Wie groß war der Bankkredit, auf den Sie Anspruch machten? Zeuge: Darüber ist nichts gesprochen worden. Angekl.: Wie groß wünschten Sie ihn? Zeuge: 10.000 bis 15.000 K. |
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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/58&oldid=- (Version vom 31.12.2025)
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/58&oldid=- (Version vom 31.12.2025)