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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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»Niemand. Aber vielleicht er, der alle bekehrt hat!«
»Wie du dir heiß machst! Sie haben dir zu übel mitgespielt, dein Kopf hat noch lange damit zu tun;« – und die Alte zieht sie an sich.
»Denn, Monika, sieh,« – und sie zeigt auf den Boden, »die Spur im Blut meines – des Toten konnte von einem Frauenkleid sein. Er hat in seiner Rede bewiesen, daß es kein Kleid war, und die Geschwornen haben ihm geglaubt. Aber er selbst?«
»Hör’ mich an, Kind! Ich ging zu ihm, als ichs erfuhr, das mit dem Kleid. Er war noch nicht bei dir gewesen. Er war bleich, ging im Zimmer umher und sagte: die Elenden! Er stützte den Kopf in die Hände und sagte: Ich will nicht. Es soll nicht wahr sein.«
»Hieß das, daß er für mich gewesen wäre –«
Langsam, und sie beugt sich vor:
»– auch wenn ichs getan hätte?«
»Nein. Wie sollte er,« und die Alte weicht zurück. Da die Herrin sich abkehrt: »Das heißt –. Aber du hast es ja nicht getan.«
»Natürlich nicht.«
»Wenn man wüßte, wer es getan hat! Genug, er hat dich freigebracht. Welche Rede! Die Leute haben geweint, und ich selbst mußte weinen. Und doch konnte ich wissen, daß du nicht so warst, wie er sagte. Denn es ist wahr, daß auch du den Verstorbenen gequält hast, du Kleine. Gleichviel: ihm ist Recht geschehen, – da er dich nicht glücklich machte.«
»Du findest?«
»Der Doktor Halland war nachher erschöpfter als du selbst. Man sah, er hatte sich darangegeben, Blut und Seele. Merk dir’s wohl, Kind: das ist einer, der dich liebt.«
Indeß sie ihr den Arm streichelt:
»Ich erkenne die, die dich lieben. Die andern straft Gott, wir haben es gesehen.«
»Ah! du bist noch dieselbe«, – und die junge Frau küßt sie. »Du verstecktest mir das Spielzeug, das
Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/6&oldid=- (Version vom 31.12.2025)