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| Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302 | |
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»Hannele« sang gemeinsam mit Herrn Humperdinck das Lob des blauen italienischen Himmels, während Siegfried Wagner den Dichter des »Fuhrmann Henschel« besuchte und der Dichter der »Einsamen Menschen« es ist, der die Reporter empfängt.
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Zwei Theateragenten gab es. Menkes und Minkus. Menkes starb. Minkus blieb am Leben. Aus diesem Grunde langte an ihn ein Brief ein, den die Zeitungen veröffentlichten: »Gestern traf auch hier die traurige Nachricht Ihres Selbstmordes ein. Ich war aufrichtig betrübt, trotzdem glaubte ich an eine Verwechslung, bin glücklich, daß meine Eingebung richtig war. Bravo Minkus! Leben Sie noch hundert Jahre. Grüße, Ihr aufrichtiger P. Mascagni.« Bravo Minkus! Er hat sich brav gehalten. In diesem Zuruf, mit dem zugleich eine Anerkennung und eine Aufmunterung ausgesprochen ist, liegt erstens: ganz Italien, zweitens: das ganze Theater, drittens: die ganze Musik, und viertens: die ganze Praterstraße. Man sieht aufgewichste Schnurrbärte, Augen, die in einer Sardinenbüchse geschwommen haben müssen, ehe sie diesen Maestros, Fechtmeistern und Agenten eingesetzt wurden, gestikulierende Hände, die eine Provision berechnen und Ecco, Machen wir und So wahr ich da leb bedeuten; Lagunen, Schweißfüße, Freikarten und noch vieles, vieles andere. Minkus blieb am Leben. Menkes starb.
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Jetzt kommt eine schöne Zeit.
»Die im letzten Sonntagsblatte Ihres Journals erschienene Notiz eines Herrn, welcher am 17. d. den Halleyschen Kometen von Schrems aus gesehen haben wollte, veranlaßte mich am 25. d. vor 3 Uhr morgens in den Prater über die Sophienbrücke zu eilen, zumal der heitere Himmel des Vorabends die Möglichkeit einer guten Beobachtung versprach … Um beiläufig halb 4 Uhr morgens ging plötzlich ein ganz prächtiger, heller Stern auf … Ich dachte sofort an Venus, jedoch ließ mein kleines astronomisches Fernrohr die Konturen nicht erkennen, da das Gestirn noch zu tief stand … Die Venus, denn sie war es, erschien in der Gestalt, wie sie unser Mond am Schlusse des ersten Viertels aufweist. Ein Rayonsicherheitswachmann, der sich sehr bald bei mir eingefunden hatte, konnte sich auch des ungewohnten Anblickes erfreuen. Vom Kometen aber war mit freiem Auge nichts zu sehen …«
Der Beobachter nennt sich einen »Freund des Neuen Wiener Tagblatts«. Ja, die Freunde!
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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/61&oldid=- (Version vom 31.12.2025)