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Und sie verbirgt sie an seiner Brust. Flüsternd:

»Noch jede Nacht sehe ich ihn.«

»Deinen – den Toten?«

»Nein … Auch ihn. Er liegt« – sie bewegt die Hand nach der zweiten Tür, im Schatten, »dorthinten.«

»Dies ist nicht das Haus. Quäle dich nicht. Du bist bei mir.«

»Er liegt dorthinten, im Zimmer jenseits des Ganges, beim Fenster. Der – Andere beugt sich über ihn.«

»Auf der Schwelle. Er lag auf der Schwelle.«

»Erst später. Als er getroffen wurde, fiel er beim Fenster nieder.«

»Woher weißt du –? Es ist anders festgestellt. Du hast doch geschlafen.«

»Ich schlief nicht. Ich hörte ihn rufen. Ich stand auf – «

Vorgebeugt nach der Tür:

» – ich schlich in den Gang, ich kroch in den Wandschrank. Er schrie und fiel, ich hörte es. Dann kam der Andere vorbei.«

»Du hast ihn gesehen? … Ich verliere den Kopf. Du hast geschlafen, du weißt nichts.«

»Er lief nicht, und er schlich nicht. Er hatte einen festen Schritt, wie ein junger Mann.«

»Du träumst, wach’ auf!«

Er rüttelt sie; sie reißt sich los.

»Ich glaubte sogar – «

»Was man in Träumen glaubt.«

»Er ging in mein Zimmer, hierher. Sollte ich sterben? Oder wollte er – «

»Wie du mich ansiehst!«

»Indeẞ drinnen mein Mann noch röchelte.«

Er weicht zurück.

»Sieh mich nicht länger so an. Was glaubst du?«

Pause.

»Als er fort war, ging ich – dort hinüber und betrachtete die Leiche. Sie lag jetzt auf der Schwelle,

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Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel Nr. 301–302. Die Fackel, Wien 1910, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Fackel_Nr._301%E2%80%93302.djvu/9&oldid=- (Version vom 31.12.2025)