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aufzuhalten. An anderen Stellen wirft sich die ganze Masse des Gletschers in wilden Trümmern, sogenannte „Gletscherkaskaden“ bildend, über hohe Abhänge hinab, unten aber setzt sich der Lauf der unzerstörbaren Eiszunge mit der alten Regelmäßigkeit wieder fort bis an den Endpunkt des Gletschers, wo die Sonnenstrahlen alljährlich ebensoviel von seiner Fläche hinwegschmelzen, als der Nachschub herbeiträgt.
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Schwimmende Eisberge im Atlantischen Ocean.
Fragen wir nach der Kraft, welche die meilenlangen, gewaltigen Eisströme über ihr oft beinahe wagerechtes Bett unablässig in die Tiefe treibt, so ist es, genau wie im fließenden Wasser, lediglich die Schwere. Wenn auf den eisigen Hochflächen, auf den Abhängen und in den menschenverlassenen Kesseln der Hochalpen im Winter der meterhohe Schnee sich lagert und die Decke Jahr für Jahr dicker wird, so lastet schließlich der Druck der oberen Schichten so stark auf den unteren, daß diese allmählich aus dem weichen Zustande des Schnees in den körnigen, harten, eisähnlichen des Firns verwandelt werden. Von den steileren Gipfeln fegt der Sturm die Schneedecke hinweg oder sie gleitet herab, und der Vorrat langer Jahrhunderte sammelt sich schließlich in den Mulden zwischen den Graten des Gebirgs. Das sind die meilenweiten Firnfelder, welche den Schnee der Hochgebirge in lautloser Arbeit zu hartem Eise umwandeln und dabei wohl auf den sechsten bis achten Teil seines Volumens verdichten. Endlich sucht sich die ungeheure Last einen Ausweg; durch eine Lücke in der Umwallung oder über den Rand der Firnmulde hinweg wird sie langsam ins Thal hinabgepreßt, durch den von oben wirkenden Druck immer mehr zusammengedrückt und schließlich in hartes, klingendes, sprödes Eis verwandelt. „Spröde“ sagen wir, obwohl sich dieser Ausdruck mit der durch meilenweite Thäler sich schlängelnden Gletscherzunge schlecht zu vereinigen scheint. Aber durch eingehende, schon 1858 von Tyndall abgeschlossene Beobachtungen und Versuche ist es erwiesen, daß das Eis der Gletscher in der That, obwohl es sich durch enge Spalten zwängt und über lange Thalbetten fast buchstäblich hin„fließt“, doch so spröde ist wie Glas. Lediglich seine Eigenschaft, unter der gewaltigen Pressung nach jeder Trennung sofort wieder zusammenzufrieren, sobald sich neue Berührungsflächen bieten, ermöglicht es, daß der Gletscher trotz aller Brüche, aller Stürze und Querschnittsänderungen dem Auge immer wieder die gleiche zusammenhängende Eismasse darbietet; sonst müßte er auf seinem Wege zu Staub und Trümmern zerrieben werden.
Haben wir so den Gletscher als einen thatsächlichen Strom von Eis kennengelernt, so ist dabei nicht zu vergessen, daß er anderseits auch gewaltige Unterschiede von gewöhnlichen Strömen zeigt. So vor allem in der Langsamkeit seines Laufes. Schon wurde erwähnt, daß der Rhonegletscher je nach seiner Breite ein tägliches Vorrücken von 15 bis 50 Centimetern aufweist. Größere, von einem stärkeren Druck getriebene Gletscher schreiten aber auch schneller fort, wie diejenigen Norwegens und des Himalaya beweisen, und wie weite Grenzen der Eisgeschwindigkeit gesteckt sind, beweisen die Riesengletscher Grönlands, die es bis auf 20 Meter
Verschiedene: Die Gartenlaube (1894). Leipzig: Ernst Keil, 1894, Seite 589. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1894)_589.jpg&oldid=- (Version vom 20.1.2025)