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zur Geschwindigkeitserhöhung wesentlich beitragen würden, läßt
sich nun freilich annehmen aber würde ein solcher Doppeldampfer,
der mindestens 3000 Kajütenpassagiere fordert, je gefüllt sein?
Die letztere Frage verdient bei den zahlreichen Projekten, welche neuerdings die Erfindung von Schnelldampfern ungeheuren Kalibers betreffen, um so mehr Berücksichtigung, als bereits die letzten wirklich ausgeführten Riesendampfer mit der Besetzung ihrer 1000 bis 1500 Kajütenplätze auf Schwierigkeiten stoßen und höchstens in der stärksten Reisezeit einigermaßen besetzt sind, um dafür im Winter nahezu leer zu stehen. Der Kajütenverkehr zwischen den europäischen Häfen und New York ist ja stark und noch immer im Wachsen begriffen, denn während er sich 1886 auf höchstens 100000 Personen in beiden Richtungen belief, sind 1893 allein 80000 meist Vergnügens halber nach Europa reisende Amerikaner gezählt worden, also mindestens 150000 in beiden Richtungen, wozu noch der europäische Kabinenverkehr nach drüben kommt. Aber so erheblich diese Zahlen auch sind – sie bedeuten 70 bis 100 Millionen Mark Passagegelder ohne den Zwischendecksverkehr! – um Riesendampfer für 3000 bis 5000 Personen zu rechtfertigen, sind sie doch noch lange nicht hoch genug.
Dennoch darf ein neues Projekt in dieser Richtung hier nicht unerwähnt bleiben, weil es zum erstenmal wieder an die Einführung eines Hilfsmittels in den nautischen Eilverkehr erinnert, das in demselben schon einmal Epoche gemacht hat, um dann, vielleicht zu schnell, verlassen zu werden –: der in der Zeitschrift „Scientific American“ zuerst befürwortete Grahamsche Oceanraddampfer, ein echtes amerikanisches Monstreprojekt, das dennoch eines reellen Untergrundes keineswegs ganz entbehrt. Lange bevor die Schnelldampfer des letzten Jahrzehnts sich den Ocean eroberten, auf dem bis 1880 nur Schraubendampfer von 8 bis höchstens 15 Knoten gekannt wurden, liefen bereits Schnelldampfer auf allen großen amerikanischen Flüssen mit 20 Knoten und mehr. Was die Schraube zur See in den 90er Jahren erreichte, konnte man dort im Binnenlande schon ein Menschenleben früher – mit Hilfe der Schaufelräder. Freilich, auf hoher See waren die großen Räder kein bequemes und oft genug ein recht zerbrechliches Hilfsmittel der Schiffe, aber auf den Flüssen blieben sie überall, wo man auf Schnelligkeit hält, der bevorzugte „Propeller“, d. h. Vorwärtsbeweger, der die Kraft der Dampfmaschine ungleich besser ausnutzt, als es die vorteilhaftesten Schrauben vermögen, und im Hafen von New York, wo noch heute an die hundert riesige schaufelraddrehende Boote, die sog. Ferrys, den Verkehr der einzelnen Ufer miteinander vermitteln, kann man auch jetzt noch manchmal eins dieser sonderbaren Fahrzeuge mit einem einlaufenden Oceandampfer ein Stück um die Wette dampfen sehen. Dieses Hilfsmittel der Schnellschiffahrt will James Graham nun von neuem in den oceanischen Verkehr einführen, und zwar wählt er dazu die auch von dem vorerwähnten Thursten verteidigte Anordnung mehrerer schmaler Schiffskörper von außerordentlicher Länge nebeneinander. Durch Gitterträger zu einem festen Körper verbunden, aber dennoch den Wellen den freien Durchgang zwischen sich gestattend, liegen nebeneinander drei schmale, vorn und hinten aufs schneidigste auslaufende Schiffe, deren Tiefgang dadurch vermindert ist, daß jede Flanke von drei scharf profilierten, hohlen Schwimmkörpern eingenommen wird. Das ganze floßartige Gebilde, in der Mittellinie über 400 Meter lang, an der breitesten Stelle 54 Meter messend, dürfte auch von den stärksten Wogen nicht mehr merklich erschüttert werden und vor allen Dingen in den beiden langen Zwischenräumen, welche die drei Schiffskörper trennen, stets über sehr ruhiges Wasser verfügen. In diesen Kanälen nun sollen sich die Propeller, sieben mächtige Schaufelräder, drehen und von insgesamt 50000 Pferdestärken angetrieben werden. Vor jedem ungestümen Wogenanprall geschützt, sollen diese Räder nach des Erfinders Hoffnungen die Maschinenkraft ungleich besser ausnutzen, als Schrauben es können, und dem Riesengefährt mit seinen 4000 Insassen eine Schnelligkeit von 35 Knoten (beinahe Schnellzugsgeschwindigkeit) erteilen. – Grahams Projekt hat in dem getrennten Schiffskörper und den dazwischen liegenden Schaufelrädern seine unleugbaren Vorzüge, mag es auch, mangels des Bedürfniffes nach solchen Kolossen, immerhin ohne Folgen bleiben.
Weniger anspruchsvoll tritt eine ganz neue, in Amerika patentierte Erfindung auf, welche nicht gleich auf ganze Schiffsrevolutionen hinzielt, sondern sich lediglich mit einem neuen, auf allen Dampfern anwendbaren Propeller beschäftigt. Die Schrauben nutzen wie schon gesagt, nur einen Teil der ihnen übertragenen Maschinenkraft zum Schiffsantrieb aus, während die Schaufelräder trotz ihres höheren Effektes durch den Wogenschlag vom Ocean verbannt worden sind. Die erwähnte Neuerung will nun das Schiff lediglich durch einige rechts und links vom Kiel liegende Pumpenkolben vorwärts schieben, deren Bewegung durch Dampfmaschinen unterhalten wird. Dieses Princip ist nicht mit den sog. Reaktionspropellern zu verwechseln, bei denen der Antrieb durch den Rückschlag eines kraftvoll ausgestoßenen Wasserstrahles erfolgt, sondern viel eher mit den Schwimmbewegungen eines Menschen, der mit Händen und Füßen hinter sich stößt und dabei selbst vorwärts getrieben wird. Die Pumpkolben liegen dabei in langen, vorn und hinten offenen Röhren, in welche das Wasser vorn eingesogen wird, während es hinten vom Kolben wieder ausgepreßt wird und dabei den Schiffskörper energisch nach vorn drückt. Auch diese Erfindung, jedenfalls die einfachste aller Antriebsvorrichtungen, wird ihre Brauchbarkeit für den Schnelldampferdienst zu erweisen haben.
Endlich bleibt uns noch übrig, von einem französischen Eilschiff zu berichten, das dem Ingenieur Bazin entstammt, seine Brauchbarkeit wenigstens in kleinem Maßstabe bereits erwiesen hat, und welches vom Contreadmiral der französischen Marine einer ausführlichen Besprechung gewürdigt wurde. Bazins Rollschiff hat keine Schrauben, keinen Rumpf und auch keinen Kiel, sondern nur eine hohe, mehrstöckige Plattform, welche von vier großen hohlen Rollen getragen und über dem Wogenbereich gehalten wird. Die Rotation der gewaltigen Schwimmrollen treibt das Schiff mit Geschwindigkeit über die Wellen, die an den rotierenden Rollen schlechterdings wenig Widerstand finden und wenn den Erfinder seine Hoffnungen nicht gänzlich täuschen, so werden seine Fahrzeuge mit 22 Meter hohen Rollen oder Rädern, die beiläufig nur 7,3 Meter eintauchen, eine Fahrt von 32 Knoten erreichen. Bazin will die im kleinen begonnenen Versuche demnächst auf dem Kanal mit einem 25 Meter langen Modell fortsetzen. – Wird er mit seiner Erfindung den Sieg behaupten auf dem großen Felde der Eilschiffahrt?
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Die braune Marenz.
(Schluß.)
Der Frühling war vergangen, und als der Sommer kam, ging Herr Dorning mit einer sehr aufgeputzten Dame durch die Straßen unserer Stadt. Das war seine neue Frau, die er allen Freunden mit der Bemerkung vorstellte, sie habe fast ebensoviel Geld wie er selbst. Er sah sehr zufrieden aus und seine Frau gleichfalls. Sie war allerdings sehr häßlich und hatte vorne nur einen Zahn; aber sonst schien sie sehr nett zu sein. Wenigstens behaupteten dies alle Leute, die mit ihr zusammenkamen, und wenn man so viel Geld hat, wie Herr Dorning und seine Frau, dann wird man auch meistens nett gefunden.
Wir gingen dem Hofbesitzer aus dem Wege, wenn wir ihm gelegentlich begegneten. Ich hatte immer das unangenehme Gefühl, er könne mich noch einmal bei meinem Vater verklagen, weil ich doch unartig gegen ihn gewesen war. Als ich ihn aber einmal auf dem Jahrmarkt beim Karussell traf, nickte er mir sehr freundlich zu und wollte mir einen Schilling schenken, denn ich war gerade in Geldbedrängnis, weil ich mein Vermögen in der Kuchenbude verjubelt hatte. Aber der Schilling von Herrn Dorning gefiel mir doch nicht und ich schob mich eilig in die Menschenmenge, die vorm Polichinellkasten stand.
Es war der Sommermarkt im Juli, an dem eigentlich niemals etwas los war, meistens regnete es sehr an dem Tage und dann kam kein Mensch vom Lande. Diesmal aber war es schönes Wetter und von allen Seiten kamen die Wagen. Ich war bald
Verschiedene: Die Gartenlaube (1895). Leipzig: Ernst Keil, 1895, Seite 660. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1895)_660.jpg&oldid=- (Version vom 30.12.2024)