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verschiedene: Die Gartenlaube (1896)

Das Quadrieren mit dem Eispflug und das Flößen von Eisplatten.

Eisstücke, wenn sie ihre richtige Einteilung haben, beträgt ungefähr 60 cm Breite und 1 m Länge; kleinere Brocken würden sich leicht verlieren, größere zu schwer zum bequemen Transport werden, denn schon bei einer Eisstärke von 15 cm wiegen solche Tafeln etwa 2 Centner. Unter der Arbeit von Dutzenden solcher schlittenartigen Pflüge, von hundert scharfen Sägen verschwinden in sehr kurzer Zeit auch die größten Eisflächen. Der 3/4 km lange Plötzensee im Norden von Berlin, der vollständig für die Zwecke der Eisaufspeicherung bestimmt und ungefähr 10 ha groß ist, wird auf diese Weise seiner Eisdecke in wenigen Tagen entkleidet, und zugleich wird die Ernte in den beiden großen, an seinem Ufer stehenden Speichern untergebracht. Da die Eisstücke sich natürlich am leichtesten im Wasser schwimmend transportieren lassen, so sägt man am besten zunächst einen Kanal in die ganze Eisfläche bis unmittelbar an die Speicher und schwemmt auf diesem Wege die ganze quadrierte und zersägte Decke allmählich bis unter die Wände der großen Schuppen. Vortrefflich hat unser Zeichner auf dem obigen Bilde das Fortstoßen der langen, teilweise noch unzerteilten. Eisplatten mittels langer Picken auf den schmalen Kanälen wiedergegeben, während neben ihnen der Pflug noch immer aufs neue Furche auf Furche über die Fläche zieht.

Nun aber gilt es, die ans Land geschafften Eismassen in die Lagerräume zu bringen, was sehr leicht ist, solange es sich nur darum handelt, den bis zu 2,5 m unter das Niveau des Erdbodens greifenden unteren Teil der Speicher zu füllen, aber seine Schwierigkeiten hat, sobald es an die Füllung der oberen Räume geht. An sich bilden die ganzen, 12 bis 14 m hohen und ziemlich ausgedehnten Speicher nur einen einzigen, großen Raum ohne Etagen oder Zwischenwände, den in guten Wintern die eingebrachten Eisstücke, Lage auf Lage mit Sorgfalt gepackt, von unten bis oben füllen. Hier muß nun, um die Aufspeicherung mit derselben Schnelligkeit vollziehen zu können, mit welcher das Zerteilen der Fläche und der Transport bis ans Ufer vor sich geht, die Maschine helfen. Ungeheure „Paternosterwerke“, die aus dem Wasser bis unter das Dach reichen und deren jeder Speicher mehrere besitzt, heben die Eistafeln in derselben Weise empor, wie die Elevatoren der Dreschmaschinen das Stroh auf die Scheunen oder Schober befördern. Die endlose Kette, welche sich in einem festgezimmerten Holzgebälk vom Wasserspiegel bis ans Dach der Schuppen bewegt, und deren Drehung nur noch bei kleineren Speichern von Menschenhänden, bei größeren bereits durch Dampfkraft bewirkt wird, ist in bewegliche Fächer eingeteilt, in deren jedes die Arbeiter mit ihren Picken und Haken eine der herangeschwemmten Eistafeln hineinstoßen, während sich die endlosen Ketten mit ihrer Last unausgesetzt in die Höhe bewegen. (Vergl. das Bild S. 801.) Ein voll beladenes Paternosterwerk enthält in jedem Augenblick 40 bis 60 Centner Eis, die in einem ununterbrochenen Zuge nach oben begriffen sind. In mehreren Höhenlagen zweigen sich übrigens von der Kette geneigte Gleitbahnen ab, die bis in das Innere des Speichers führen und auf denen die Eisplatten, stets durch geschickte Arbeiter gelenkt, in bestimmte Abteilungen des Magazins hinabgleiten, um dort nebeneinander ausgebreitet zu werden. Mit der Höhe des Eislagers werden nun auch die Gleitbahnen höher und höher gelegt, und so setzt sich das Geschäft fort, bis der Speicher gefüllt ist – wenn es nach dem Wunsche der Unternehmer ginge – oder bis die Oberfläche der zur Verfügung stehenden Gewässer so frei von Eis ist, als wenn es Sommer wäre. Das letztere tritt in der Regel bedeutend früher ein, ehe das erstere möglich wird, denn die Speicher sind auf die denkbar schärfsten Winter eingerichtet und werden in milden Wintern Wohl oft kaum zur Hälfte gefüllt. Wäre doch ein Speicher von 20000 cbm Inhalt ausreichend für 400 000 Centner Eis, groß genug, um eine fußdicke Eisschicht des ganzen Plötzensees aufzunehmen. Neben einem solchen besitzen aber die „Norddeutschen Eiswerke“ an demselben Orte noch einen kleineren Schuppen und ganz in der Nähe, am Berlin-Spandauer Kanal und seinem im Winter schiffsfreien Hafen, noch einen dritten. Eine Wasserfläche von etwa 12 bis 13 ha steht zur Füllung dieser drei Speicher zur Verfüguug, aber sie werden selten bis unter das Dach gefüllt. Wären sie es jedoch wirklich, so würde ihr Inhalt, der dann gegen eine Million Centner betragen kann, noch nicht zum vierten Teil für den Eisbedarf der Reichshauptstadt genügen. Am See von Rummelsburg, einer sackartigen Abzweigung des Spreelaufes

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verschiedene: Die Gartenlaube (1896). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1896, Seite 797. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1896)_0797.jpg&oldid=- (Version vom 30.12.2024)