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bei ihr bedanken und aufs neue deine Promenaden mit ihr machen,“
rief nun Beatrice mit finsterem Blick und ihr Mund zog sich fest zusammen.
„Nein – ich werde ihr den Esel wiedergeben,“ sprach düster und entschlossen Oreste.
„Nein? Wirklich nein? Du willst ihren Esel nicht? Nun, dann, Oreste – dann wollen wir ihr den Esel zusammen zurückgeben,“ versetzte darauf Beatrice mit seltsamem Lächeln.
„Wir? Zusammen!“ rief Oreste jauchzend.
„Ja,“ erwiderte Beatrice ruhig. „Ich weiß, daß du mich liebst, und ich liebe dich ja auch und wenn du mir zuliebe früher deinem faulen Leben und dem Herausputzen für die Amerikanerinnen hättest entsagen können, wäre es schon längst anders.“
„Ich bin jetzt kuriert, Beatrice – ich bin jetzt kuriert,“ versicherte Oreste. „Ich habe ja einen halben Monat wie in der Hölle leiden müssen!“
„Nun, ich will’s glauben,“ sprach Beatrice. „Du wirst dir eine Werkstatt einrichten – das mußt du mir schwören bei dem heiligen Antonio, der uns so sichtlich in seinen Schutz genommen, und fleißig arbeiten!“
„Das will ich schwören,“ versicherte Oreste eifrig und Beatrice reichte ihm herzlich beide Hände und hatte nun nichts mehr dagegen, daß er sie in seine Arme schloß und küßte.
„Nun wollen wir aber der Amerikanerin ihren Esel bringen, jetzt gleich – ohne Verzug!“ erklärte Beatrice mit einem eigensinnigen Zug um den Mund.
„Ja, laß uns gehen!“ stimmte Oreste willig zu, und die beiden begaben sich wie Verlobte, eines den andern bei der Hand führend, nach der Hauptstraße hinunter und gingen so vereint nach Bogliasco.
Während dies geschah, hatte sich merkwürdigerweise das Gerücht von der sicheren Verlobung Orestes mit Beatrice wie ein Lauffeuer in ganz Nervi verbreitet. Ueberall erzählte man sich die sonderbare Mär, daß Oreste in die Cantina gestürzt sei und das Mädchen vor allen Leuten als seine Verlobte geküßt, Beatrice ihn aber keineswegs von sich gestoßen, sondern dazu fröhlich gelacht habe, ebenso die erstaunliche Nachricht, daß irgend jemand, der nicht bekannt werden wollte, durch den Gärtner vom Albergo Inglese Beatricens Maulesel gekauft und das Tier heimlich bei Nacht in Orestes Stall gebracht hätte.
Das Gerücht kam auch Miß Grantly zu Ohren. Die amerikanische Dame sah darauf einen Augenblick starr hinaus in die Ferne, dann verlangte sie ihre Rechnung, trat an das Plakat der Eisenbahnzüge im Hotelflur und bestellte zur sofortigen Abreise den Hotelwagen. Darauf ging die Miß in ihr Zimmer, packte mit ihrer Zofe schnell die Koffer und saß gerade in dem Schnellzuge nach Rom, als Oreste und Beatrice mit dem Esel vor dem Albergo anlangten. Auf ihre Frage nach der amerikanischen Dame erfuhren sie, daß dieselbe soeben überraschend schnell abgereist sei.
Beatrice sah Oreste an – dann lachte sie und sprach: „Nun denn – so behalten wir den Esel. Es wäre ja eigentlich auch dumm gewesen, der reichen Signora elfhundert Lire zu schenken. Wir können sie besser brauchen. Es sei unsere Mitgift, welche sie uns gegeben!“
Und Oreste beeilte sich, obwohl er noch nicht der Ehemann Beatricens war, auch hierzu „Ja“ zu sagen.
Skizze aus der modernen Technik. Von W. Berdrow.
Unsere Kenntnisse vom Wesen des Sauerstoffes als des eigentlichen Trägers der meisten chemischen und organischen Lebensvorgänge hat Menschenalter hindurch zu denjenigen theoretischen Thatsachen gehört, die sich in der Schule von Geschlecht zu Geschlecht vererben, ohne daß das Leben erklecklichen Gewinn aus ihnen zieht. Daß von dem uns umgebenden Luftmeer nur der fünfte Teil, nämlich der darin enthaltene Sauerstoff, uns eigentlich von Nutzen ist, während der weit überwiegende Stickstoffgehalt nur als unnützer Ballast sowohl in unseren Lungen als bei allen chemischen und technischen Prozessen, bei denen wir der Luft bedürfen, funktioniert, das haben wir alles längst gewußt; aber erst in den letzten Jahren hat man begonnen, aus diesem Wissen Nutzen zu ziehen. Natürlich können wir den alltäglichsten Lebensvorgang, bei dem die atmosphärische Luft die Hauptrolle spielt, die Atmung, nicht verändern; die Lunge ist einmal für die Verarbeitung des Sauerstoffs in der fünffachen Verdünnung, wie die Atmosphäre ihn uns bietet, eingerichtet und vermag ihre Verbrennungsarbeit auch so zu bewältigen. Bisweilen aber treten auch hier Fälle ein, in denen eine Atmosphäre aus reinem Sauerstoff uns von weit größerem Nutzen sein würde und jetzt, nachdem man sie herzustellen gelernt hat, auch ist. So z. B. auf hohen Bergen, wo dem Besucher leicht der Atem zu kurz wird. In 5500 m Höhe z. B., wo der Kubikmeter Luft bloß noch halb soviel Sauerstoff enthält als in der Tiefebene, muß die Lunge mit verdoppelter Kraft arbeiten, um die Lebensvorgänge zu unterhalten, und je höher man kommt, desto schwieriger wird das. In 7000 bis 8000 m Höhe hört die Möglichkeit, mittels der Lunge der Atmosphäre hinreichend Sauerstoff zu entziehen, überhaupt auf, und die darüber hinausliegenden Höhen, die mehrfach auf wissenschaftlichen Ballonfahrten erreicht worden sind, wurden dem Menschen erst zugänglich durch die Mitnahme von aufgespeichertem reinen Sauerstoff, den man in den stark verdünnten Luftschichten zum Atmen benutzte.
Unverhältnismäßig größer ist das Wirkungsfeld, welches sich dem reinen Sauerstoff in der Verbrennung von Kohle oder irgendwelchen anderen Feuerungsmitteln zu gewerblichen Zwecken öffnet. In jeder Feuerungsanlage, vom Stubenofen bis zum Eisenschmelzwerk und ebenso in jedem Petroleum-, Gas- oder Spiritusbrenner, der zum Kochen oder Heizen dient, findet eine große Verschwendung statt, indem jede Flamme nur durch unausgesetzte Luftzufuhr unterhalten werden kann, aber stets nur ein Fünftel der zugeführten Luft wirklich ausnutzt, während vier Fünftel, der ganze Stickstoffgehalt der Atmosphäre, als unnützer Ballast miterhitzt und alsdann ausgestoßen wird. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß diese Erhitzung der überflüssigen atmosphärischen Bestandteile keine erhebliche Rolle beim Verbrennungsprozeß spielen könne. Die durch sie bewirkten Verluste sind jedenfalls größer als diejenigen der so oft beklagten unvollkommenen Aufzehrung der Kohle, von welcher die Ruß- und Rauchentwicklung zeugt. Ein Hochofen gebraucht in 24 Stunden an eingeblasenem Wind ein größeres Gewicht, als Erze und Kohlen zusammen ausmachen, und vier Fünftel dieses Gewichtes müssen nutzlos auf dieselbe Temperatur erhitzt werden, welche das schmelzende Erz besitzt. Viel Kosten würden sich ersparen lassen, wenn man anstatt Luft reinen Sauerstoff in die Oefen blasen könnte, um so mehr, als im reinen Sauerstoff alle Brennmaterialien sich unter weit höherer Glut zersetzen und mit wenig Kohle derselbe Effekt erreicht wird wie unter bloßem Luftzutritt mit sehr viel mehr Brennstoff. Im kleinen beobachtet man schon an einer Flamme von Leuchtgas oder Wasserstoff dasselbe: unter reiner Sauerstoffzufuhr entwickeln diese Heizstoffe eine Temperatur, bei der die am schwersten schmelzbaren Metalle sich verflüssigen und Kalk, Zirkon und ähnliche Erden zu einer Glut gebracht werden, die an Helligkeit dem elektrischen Bogenlicht nichts nachgiebt.
Daß alle diese und andere Vorteile sich mit Hilfe des Sauerstoffes erreichen lassen würden, sah man nun, wie erwähnt, schon vor Menschenaltern ein, aber erst in den letzten Jahren ist man der Verwirklichung des alten Gedankens näher gekommen, und jetzt giebt es bereits eine ganze Zahl von Fabriken, welche die Herstellung von Sauerstoff zu ihrer Aufgabe gemacht haben, wie es schon seit langer Zeit Leuchtgasfabriken und neuerdings solche zur Erzeugung von Kohlensäure und zahlreichen anderen Gasen giebt. Der Sauerstoff, den früher nur die Laboratorien jeweilig in kleinen Mengen für ihren eigenen Gebrauch erzeugten, wird heute in diesen Anstalten im großen durch Retorten und Maschinen fabriziert, und zwar meist nach einer Methode, die von Boussingault schon vor mehr als 40 Jahren angegeben wurde, ohne indes damals wegen der ihr noch anhaftenden Mängel eine praktische Bedeutung erlangen zu können. Das Verfahren besteht darin,
verschiedene: Die Gartenlaube (1897). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1897, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1897)_195.jpg&oldid=- (Version vom 20.1.2025)