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lassen und die entstehenden Gase aufzufangen, um gasförmigen Sauerstoff zu erhalten. Derselbe ist freilich, da nicht aller Stickstoff sich ohne gleichzeitige Sauerstoffverdampfung verflüchtigt, nicht rein, sondern enthält noch bis zu 20 % Stickstoff; aber damit ist immerhin ein Gasgemenge erhalten, welches etwa die umgekehrte Zusammensetzung der Atmosphäre hat, d. h. zu vier Fünfteln aus Sauerstoff besteht, und welches deshalb auch die Heizkraft der Luft in vierfachem Maße besitzt. Ein Kubikmeter Sauerstoff dieser Herstellung soll nur auf 12 Pfennig zu stehen kommen, d. h. jedenfalls in der Herstellung, nicht im Verkauf. Wieweit das Lindesche Verfahren die bisherigen Fabrikationsmethoden des Sauerstoffs ersetzen oder verdrängen wird, muß die Zukunft lehren. Vielleicht beruht seine praktische Bedeutung aber mehr auf der leichten Erzielung ungeheuer kalter Temperaturen als auf der Herstellung von Sauerstoff.
Im ganzen mögen sich schon zehn oder mehr bedeutende Fabriken der letzteren beschäftigen; von den größten haben zwei ihren Sitz in London, zwei in Paris, zwei in Berlin und einige andere in Essen, Freiburg, Glasgow und anderen Städten.
Nach der Herstellung darf uns nun die Verteilung des gebrauchsfertigen Sauerstoffes noch einen Augenblick beschäftigen. Solange die Sauerstoffindustrie noch nicht wie die Leuchtgasfabrikation in der Lage ist, ihr Produkt in Röhren über ganze Städte verteilen – und das kann noch lange dauern, wenn es auch für eine ferne Zukunft nicht ausgeschlossen ist –, solange muß das Gas dem Konsumenten in geschlossenen Behältern zugesandt werden, und dies ist natürlich nicht anders als im stark komprimierten Zustande möglich, da andernfalls ein Kubikmeter Sauerstoff, der 1200 g wiegt, eine Wagenladung an an Umfang ausmachen würde. Das Gas wird daher gleich nach der Erzeugung derart komprimiert, daß der Kubikmeter sich in einer nahtlosen Stahlflasche von 10 Litern Inhalt aufspeichern läßt, also auf 100 Atmosphären. Natürlich müssen diese Stahlbomben von großer Festigkeit sein, um den Druck in ihrem Innern, den zehnfachen eines Lokomotivkessels, auszuhalten; sie sind stets auf 250 Atmosphären geprüft und kosten etwa 60 Mark. Der Prozeß des Zusammenpressens ist gerade beim Sauerstoff sehr schwierig und erhöht den Preis nicht unerheblich, da er die besten Maschinen und viel Zeit und Arbeitskraft erfordert. Das Gas erhitzt sich beim Komprimieren in hohem Grade und ist dann so feuergefährlich, daß schwer damit umzugehen ist. Nicht daß der Sauerstoff selbst, etwa wie Leuchtgas oder dergl., brennbar wäre, aber er begünstigt im reinen und erhitzten Zustande die Verbrennung aller ihm ausgesetzten Stoffe so sehr, daß z. B. mit Oel geschmierte Kompressionspumpen dabei ganz undenkbar sind, da sich erst das heiße Oel und dann die Maschine selbst in hellen Brand setzen würde, denn im reinen Sauerstoff brennt Eisen wie Schwefel an der Luft. Gewöhnlich stehen die Kompressionspumpen ganz im Wasser, um sich beständig abzukühlen, und werden auch nur mit Wasser geschmiert.
Sind alle diese Fährlichkeiten überwunden und die wieder abgekühlten Sauerstoffbomben dem Konsumenten ins Haus gefahren, so beginnt die gewerbliche Rolle des Gases. Vor allem hat sich, wie oben schon flüchtig erwähnt wurde, bisher die Beleuchtung mit dem Gebrauch des reinen Sauerstoffs anstatt der atmosphärischen Luft befreundet. Für Projektionsapparate und ähnliche Zwecke giebt es überall da, wo elektrisches Bogenlicht nicht zu haben ist oder man von den Leitungsdrähten desselben unabhängig sein möchte, keine stärkere Lichtquelle als Kalk- oder Zirkonlicht mit Sauerstoffgebläse, wodurch sich nach Dr. Krüss leicht 450 Kerzen Helligkeit oder das Zehnfache verbesserter großer Gasflammen erreichen läßt.
Wahrscheinlich wird die Beleuchtung bis jetzt noch immer den größten Teil der fabrikmäßigen Sauerstoffproduktion verbrauchen, doch fehlt es dem erst seit so kurzer Zeit in den Dienst der Industrie getretenen Gase auch an anderen Verwendungen nicht. Besonders die Glasindustrie hat es sich schon mehrfach dienstbar gemacht. Wenn man beim Glasschmelzen einen Strom von Sauerstoff in die erweichende Masse leitet, so schreitet die Verflüssigung plötzlich sehr schnell fort, und abgesehen von der dadurch erzielten Ersparnis an Brennmaterial können die Oefen und Tiegel auf diese Weise bedeutend mehr ausgenutzt werden, da sie eine größere Zahl von Schmelzungen im Laufe eines Tages erlauben. Das Gas soll dabei unter einem Druck von zwei Atmosphären zuerst langsam und dann immer schneller in den Glasfluß geblasen werden, der dadurch nicht nur leichtflüssiger, sondern auch reiner wird. Außer diesem schon mehrfach eingeführten Verfahren spielt auch die Glaslötung mittels des Knallgasgebläses aus Sauerstoff und Wasserstoff eine große Rolle. Gläserne Kästen und Tröge von 3 bis 4 Fuß Breite und Höhe, wie sie jetzt öfter gebraucht werden, lassen sich sehr schwer blasen, man stellt sie daher aus Tafel- oder Spiegelglasplatten her, die bis zur Rotglut erhitzt und dann in der Stichflamme des Sauerstoffgebläses an den Kanten verschmolzen werden, wodurch sehr feste, saubere und fast beliebig große Glaströge entstehen.
Es ist nicht möglich, alle Verwendungen, die der Sauerstoff bisher gefunden hat, ausführlich anzugeben. Erwähnen wir nur noch zum Schluß, daß die Heilkunde von dem Gase, welches schon sein Entdecker Priestley voll Begeisterung als die wahre „Lebensluft“ bezeichnete, bereits mehrfach Gebrauch gemacht hat, sowohl zum Inhalieren bei Atembeschwerden, als zur Belebung nach Narkosen oder zum Erwecken von Personen, welche durch Leuchtgas oder Kohlenoxyd vergiftet waren.
Vermißten-Liste der „Gartenlaube“. Indem wir uns anschicken, wiederum eine Fortsetzung unsrer Vermißten-Liste zu veröffentlichen, befinden wir uns in der glücklichen Lage, zuvor auch wieder eine Reihe Solcher namhaft zu machen, welche infolge unserer Vermittelung aufgefunden und, soweit dies möglich, dazu gebracht worden sind, den Verkehr mit ihren Lieben daheim wieder aufzunehmen.
Von dem Vater Max Knopfs erhielten wir eine dankerfüllte Zuschrift, in der er uns mitteilt, daß er seinen Sohn infolge der Veröffentlichung seines Aufrufs in der „Gartenlaube“ wiedergefunden habe.
Der Goldarbeiter Anton Leckel hat selbst seinen Wohnort angegeben und widerlegt die in unserem Aufruf von der Aufgeberin desselben betonte Vermutung, daß er „sich in Philadelphia und im Jahre 1894 in einem Irrenhause zu Chicago befunden habe“. Er weist durch eine Anzahl Zeugen nach, daß er in keiner der beiden Städte gewesen sei, sich also auch niemals in einer Anstalt dort befunden haben könne.
Johann Friedrich August Landau hat aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika seinem Bruder geschrieben.
Herr Schönherr dankt uns herzlich für die Veröffentlichung des Aufrufs in der „Gartenlaube“, infolge dessen sein Sohn Oswald bereits eine ganze Reihe von Briefen aus Cincinnati nach Hause gesandt hat.
Auch der Mutter des unter Nr. 389 unserer Vermißten-Liste gesuchten jungen Mannes konnten wir den Aufenthaltsort des letzteren nennen.
Ueber Franz Linus Lindner liegen aus Omaha nähere Nachrichten vor.
Ferner haben sich die Nachfragen nach den Schwestern Richter erledigt. Elisabeth ist im Jahre 1894 zu Santos in Brasilien gestorben, Babette lebt in Wien.
Frau Therese Schacherl spricht uns ihren tiefgefühlten Dank aus für die durch den Aufruf in der „Gartenlaube“ erzielte Auffindung ihrer Schwester Anna Germer in Amerika.
Bei Veröffentlichung dieser erfreulichen Ergebnisse können wir uns nicht versagen, allen denen nochmals herzlichst zu danken, die uns in unseren Nachforschungen nach den Verlorengeglaubten so bereitwillig unterstützt haben. Die nachstehende Fortsetzung unserer Vermißten-Liste empfehlen wir ebenfalls der freundlichen Beachtung unserer Leser und Leserinnen, damit es uns mit ihrer Hilfe gelingen möge, noch recht viele Verschollene wieder aufzufinden und in die Arme ihrer Angehörigen zurückzuführen.
398) Seit seiner letzten Nachricht vom 5. April 1890 aus Bremerhaven ist der Musiker Ernst Fridolin von Nessen, geb. am 19. Okt. 1869 zu Oberkatz in Sachsen-Meiningen, verschollen. Nessen war kurz vorher mit dem Dampfer „Preußen“ in Australien gewesen.
399) Von seiner Tochter gesucht wird der am 28. Aug. 1821 zu Klein-Latzkow bei Soldin geborene Arbeiter Friedrich Freiwaldt, welcher im Jahre 1885 nach Kanada auswanderte.
400) Der Handlungsgehilfe Franz Josef Eberhardt, geb. am 5. Febr. 1871 zu Görkau in Böhmen, hat seine Stelle in Wilhelmsburg bei Hamburg im Jahre 1891 aufgegeben und sich seitdem nicht mehr sehen lassen.
401) Von Hanau, wo er bis 1. Mai 1893 in Stellung war, soll sich der am 16. Dezember 1877 zu Erkshausen bei Kassel geborene Kellner Adam Nikolaus Knierim nach Frankfurt a. M. gewendet haben, wo er aber trotz aller Nachforschungen nicht aufzufinden war.
402) Der am 14. März 1864 geborene Landwirt Walter Erdmann
verschiedene: Die Gartenlaube (1897). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1897, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1897)_198.jpg&oldid=- (Version vom 20.1.2025)