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So stotterte die Magd, aber Frau Josefa unterbrach sie: „Das ist nicht wahr!“
„Und läßt der Gemeindevorstand fragen – wann das Begräbnis sein soll?“
„Laßt mich in Frieden, es ist ja nicht wahr, es kann doch nicht wahr sein, mein Gott!“ Damit brach sie wieder in Weinen aus. Die Magd zog sich zurück in die Küche, das Weib ging mit gerungenen Händen in der Stube auf und ab und schluchzte und schluchzte.
Der Meinhardt auf dem Preßschragen konnte es kaum mehr aushalten. Er sann nur nach, wie es anzufangen sei, daß der plötzliche Schreck ob seiner Erscheinung ihr nicht schade. Da wurde im Vorhause wieder etwas gehört. Ganz sachte ging die Thür auf und – der Kohlenschreiber war da. Er blieb an der Thür stehen und sah aus wie ein Gespenst, so totenblaß, so unheimlich verstört. „Ihr seid,“ flüsterte er, „an diesem Tag allein!“
„Und will es bleiben,“ gab sie derb zurück.
„Ich komme nur,“ stotterte er, „weil ich mir nimmer zu helfen weiß, nimmer anders. Hab’s ja schon gesagt, Frau Josefa, wie ergeben ich Euch bin ….“
„Und ich hab’ Ihm gesagt, daß Er mich in Ruh’ lassen soll!“
„Gewiß, ich hab’s respektiert. Solang’ er lebt, habt Ihr gesagt, keinen andern. Und das ist die Ursache gewesen ….“
„Sali!“ diesen grellen Schrei stieß das Weib nach der Magd aus.
Die herbeieilende Magd hielt gerade den Besen, mit dem sie zum Abend die Küche zu scheuern pflegte. Diesen riß ihr Frau Josefa aus der Hand und hieb ihn dem Schreiber um den Kopf. Der Geschlagene lief nicht davon, sondern fiel zu Boden. Mit beiden Händen umklammerte er ihren Fuß, wimmerte und stöhnte: „Ihr versteht mich nicht, Frau! Habt doch nur einen Augenblick lang Barmherzigkeit mit dem Elenden! Ich will ja nichts, als daß Ihr ein langes Messer nehmt und mir’s in den Hals steckt! Wißt Ihr’s denn nicht, daß ich schuld bin? Wahnsinnig um Eure Lieb’! Im Rausch einen Brief geschrieben – einen Mörder gedungen! Ich! Ja, ich! Diese Bestie da! Diese da!“ Gleich einem getretenen Hund winselte er es schrill heraus, und wie er vorher ihren Fuß umklammert hatte, so umklammerte er jetzt seinen Hals, um sich zu erwürgen.
In diesem Augenblick schon waren einige Leute da vom Nachbarhaus, die in Verwirrung umherrannten und nicht begriffen, was vorging. Vor der Hausthür stand die Magd und zeterte immer noch mehr Leute zusammen; mehrere kamen von den Häusern im Nachtgewand daher und alle drängten zur niedrigen Stubenthür hinein, wo Frau Josefa ratlos dastand und der Kohlenschreiber sich in wilden Krämpfen auf dem Platz wälzte.
Der rief jetzt flehend aus: „Betet für mich, ihr guten Leut’! Der Teufel ist schon da um mich!“
Sie schauten sich gegenseitig an und sagten untereinander: „Verrückt war er immer, endlich ist der volle Wahnsinn ausgebrochen!“ Der Schreiber aber rief in einem fort, er habe den Fergen umbringen lassen, und plötzlich hub er ein dumpfes Lachen an, stöhnte mit einer Stimme, die der Schreck gebrochen hatte: „Hab’ mir’s ja gedacht! Hab’ mir’s gedacht, daß er sich anmelden wird. Er will mich ja fragen, warum? Alle guten Geister, Meinhardt, frag’ mich doch! Ist’s dann gut, wenn man gehenkt ist? Sag’ mir’s, Meinhardt, ist’s dann gebüßt?“
Als er so schrie und wimmerte, wies er gegen die offene Thür, und als die Leute mit den Augen unwillkürlich dieser Richtung folgten, stöhnten sie auf vor Schreck. Denn was der Wahnsinnige sah, das sahen auch sie. In der halbdunklen Thür stand der Ferge Meinhardt. – Ein klingender Schrei und die Frau Josefa sprang an die Gestalt, die nicht wankte und nicht verschwand.
Am nächsten Morgen war unten bei der Rieselwehr ein großes Halloh! Einen alten Hut hatten sie aus dem Wasser gezogen und ein verknorpeltes Baumgewurzel, das wohl aus den oberen Waldgegenden herabgeschwemmt worden sein mochte. Und das war der tote Ferge gewesen. Der Totengräber beklagte sich sehr, daß er in der vergangenen Nacht ein hartes Tagewerk gethan habe und wer ihn dafür bezahlen würde?
Der Klacherl vergütete es. Der war nach dem Bekanntwerden der Rückkehr Meinhardts sofort freigelassen worden. Er nahm den Totengräber unter den Arm und wollte das Ereignis im Wirtshause feiern. Da kam ein Landwächter und nahm ihn neuerdings mit sich. Das Gericht, sagte der, hätte mit ihm, dem Klacherl, noch eine kleine Angelegenheit zu ordnen. Während der Vagabund unter sicherer Begleitung seinen Weg in die Kreisstadt zu Fuß machte, eine recht verdrießliche Wanderung! fuhr die Straße entlang auch ein Wagen. Darin saßen zwei handfeste Männer, die zwischen sich den Kohlenschreiber hatten. Was Liebestollheit und Wein an dem angerichtet, das sollte nun das Irrenhaus schlichten …
Der Ferge Meinhardt hatte schon in der Nacht seiner Frau Josefa ein umfassendes Bekenntnis abgelegt, worauf sie ihm in heftigem Zorn seine Dummheit und Erbärmlichkeit vorhielt. – Wie wohl that ihm jetzt die Herbheit seiner Frau, sie entzückte ihn. Ihre Untugenden trägt er fürder mit Geduld, denn er weiß, was jeder Ehemann wissen muß, um im Gleichgewichte zu bleiben.
Allerlei moderne Drachen.
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Die Verwendung des Flugdrachens im Dienste der Wetterforschung hat, seitdem wir in der „Gartenlaube“ (vgl. Jahrg. 1897, S. 738) darüber berichteten, sowohl an Umfang als auch an Vollkommenheit der dabei benutzten Hilfsmittel weiter zugenommen. Unter den früheren Erfolgen in dieser Richtung sind besonders die des amerikanischen Meteorologen A. L. Rotch, seines Landsmannes Leutnants Wise und Dr. Hergesells vom Meteorologischen Landesinstitut in Elsaß-Lothringen zu nennen. Viele Meteorologen indessen trugen noch immer Bedenken, ihre feineren und kostbaren Meßinstrumente einem immerhin nicht bei jedem Wechsel in der Aenderung und Stärke des Windes zuverlässigen Beförderungsmittel, wie es der Flugdrache ist, anzuvertrauen. Andererseits sind die Kosten der Wolken- und Luftbeobachtung mit Hilfe des Flugdrachens so viel geringer und ist die Handhabung desselben so viel einfacher als die mittels des Fesselballons, daß man sich über die immer erneuerten Versuche, den ersteren zu vervollkommnen, nicht wundern kann.
Zu den besten neueren Erfolgen in dieser Richtung zählen die- jenigen des österreichischen Flugtechnikers H. L. Nikel, dessen neuer Drache von der österreichischen Luftschifferabteilung bei Krakau erprobt worden ist. Der Drache ist nach dem auch für Flugmaschinen schon oft in Anwendung gebrachten System eines mehrfach durchbrochenen „Aeroplans“ aus einer Reihe von schmalen Stoffflächen gebildet, die hintereinander auf einem leichten Rahmen befestigt sind, und von denen jede einzelne einem elastischen Flügelpaar entspricht. Der Drache besitzt ein Gewicht von nur 8 bis 8½ kg bei einer sehr ansehnlichen Größe, denn seine Gesamtlänge beträgt etwa 8, seine Breite, über die größte Fläche hinweggemessen, etwa 4 m. Die gesamte dem Winde gebotene Oberfläche ist fast 13 qm groß. Der Drache, der zur Erzielung einer sicheren Stellung in der Luft mit einem Horizontal- und einem Vertikalsteuer versehen ist, erhebt sich selbst bei dem leichtesten Luftzuge sicher und schnell; bei einem mäßigen Winde von 6 m Sekundengeschwindigkeit war er imstande, ein Gewicht von etwa 30 kg zu tragen, weit mehr, als ihm beim Heben einer ganzen Reihe gegen Sturz etc. wohlversicherter Instrumente je aufgebürdet werden dürfte. Plötzliche Aenderungen der Windstärke bewirkten nur ein ruhiges Fallen oder Steigen des Drachens um einen geringen Betrag. Ein interessantes Experiment, das gelegentlich dieser Versuche vorgenommen wurde, war das Abschießen von Dynamitpatronen, die vom Drachen mit Hilfe eines langen Schleppseiles mit emporgetragen und in der Höhe zur Detonation gebracht wurden. Dieselben explodieren, ohne den Drachen in Mitleidenschaft zu ziehen, so daß mit diesem und ähnlichen neueren Drachen eine Fortsetzung der interessanten früheren Versuche über die Auslösung von Regen durch heftige Erschütterungen der Wolken gemacht werden kann.
Während der Nikelsche Drache an der älteren Form des einflächigen Aeroplans festhält, schreiten einige amerikanische Erfindungen desselben Faches auf der anscheinend zukunftsreicheren Bahn des mehrflächigen Kasten oder Zellendrachens fort. Das wesentlichste Element derselben ist die Anordnung mehrerer übereinander liegender Flächen, die man früher zu beiden Seiten eines leichten mittleren Rahmens flügelartig befestigte, während sie neuerdings nach den Konstruktionen von Eddy und Hargrave auch an den Außenkanten durch senkrechte Papier und Stoffwände verbunden werden, so daß ein viereckiger leichter Kasten mit Boden, Decke und zwei Seitenwänden aus Papier oder leichtem Stoff entsteht, dem nur die Vorder- und Hinterwand fehlen, um dem Winde den unbeschränkten Durchzug und Angriff auf die Drachenflächen zu gestatten. Schon Hargrave hat diese Zellen zu den verschiedensten Kombinationen vereinigt und eine sehr große Tragkraft
verschiedene: Die Gartenlaube (1899). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1899, Seite 251. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1899)_0251.jpg&oldid=- (Version vom 30.7.2025)