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verschiedene: Die Gartenlaube (1899)

einen großen Landbesitz. Fast alle Burgen der Bergstraße, zu deren Trümmern jetzt der Naturfreund fröhlich wallfahrtet, wurden von ihnen errichtet, so die Starkenburg bei Heppenheim, die Windeck bei Weinheim, das Auerbacher Schloß, auch die Edlen von Handschuhsheim und von Schauenburg waren Burgmannen der Aebte von Lorsch.

Doch in den Mainzer Erzbischöfen bekamen die letzteren allmählich übermächtige Rivalen. 1231 erhielt Erzbischof Siegfried von Mainz von Kaiser und Papst die Herrschaft über das Kloster und seinen Besitz übertragen. Doch auch Mainz konnte sich nicht lang’ in Ruhe des umneideten Besitzes freuen: die Pfalzgrafen bei Rhein machten ältere Ansprüche geltend; häufige Fehden entbrannten; um 1460 gewann Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz die Herrschaft Schauenburg, wobei die Burg in Trümmer gelegt ward.

In den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges, welche wiederholt über die Bergstraße brausten, ging dann das alte Kloster Lorsch zu Grunde. 1803, als das Erzstift Mainz säkularisiert ward, fiel dessen Besitz an der Bergstraße Hessen-Darmstadt zu, was Kurpfalz noch von dem Landstrich besaß, kam dagegen an Baden.

Das sind in Kürze die historischen Erinnerungen, welche ein Besuch der malerischen Trümmer heraufbeschwört, die heute noch von der Schauenburg vorhanden sind. Sie liegen über dem Dorf Dossenheim unweit Heidelberg auf einem südlichen Ausläufer des Oelbergs, dessen felsgekrönte Kuppe, der „Edelstein“, zum Neckar und weiterhin zum Rhein grüßt. In dem schönen Prachtwerk „Die Bergstraße mit ihren Schlössern, Klöstern und Burgen von Heinrich Hoffmann“ (Verlag von Edm. v. König in Heidelberg), aus welchem wir die stimmungsvollen Ansichten von der Schauenburg, dem Dorf Dossenheim und der Felskuppe des „Edelsteins“ auf S. 513 wiedergeben, wird die in stiller Einsamkeit gelegene Ruine als ein auch baugeschichtlich besonders interessantes Denkmal gepriesen. Der Uebergang der altgermanischen Wallburg in die Feudalburg des 12. und 13. Jahrhunderts läßt sich an diesen Mauerresten deutlich wahrnehmen. Ein altgermanischer kleinerer Ringwall gab den Grund zur Anlage der Burg, deren Lage unweit des Zusammenflusses von Rhein und Neckar von besonders wichtiger strategischer Bedeutung war. Das sauber gehaltene Dorf Dossenheim liegt ungefähr gleich weit von Heidelberg und Weinheim, welche neben der hessischen Ludwigsbahn eine Straßenbahn verbindet. Für beide ob ihrer schönen Lage weitberühmten Städte bildet die Schauenburg einen beliebten Ausflugspunkt; nicht weniger für die hessischen Sommerfrischorte der Bergstraße, Heppenheim, Bensheim, Auerbach, Zwingenberg, Jugenheim, Seeheim, die von Frankfurt a. M. und Darmstadt aus so gern aufgesucht werden.

Der neue Berliner Müll-Schmelzofen. (Mit Abbildung.)

Der neue Müll-Schmelzofen in Berlin.
Nach einer Originalzeichnung von Ewald Thiel.

In England aber hatte man bereits mit der Verbrennung des Kehrichts in passend konstruierten Oefen unter starkem Zuge begonnen. Man erzielte dabei nicht nur die Beseitigung der schädlichen organischen Bestandteile unter Produktion eines unschädlichen Asche- und Schlackenrückstandes, sondern erhielt noch einen Ueberschuß an Hitze, der sich zur Kesselheizung und zur Erzeugung von Dampfkraft und Elektricität verwenden ließ. Die Frage schien gelöst, und man versuchte diese Müll-Schmelzöfen auch in Deutschland einzuführen. In Hamburg glückte dies Experiment. Anders in Berlin. Der erste im Jahre 1895 probeweise auf dem alten Stralauer Wasserwerk im Anschluß an einen vorhandenen hohen Schornstein gebaute Kehricht-Verbrennungsofen bedeutete ein vollständiges Fiasko. Londoner und Berliner Müll erwiesen sich eben als zwei ganz verschiedene Dinge. Jener brennt leicht und fast ohne Zusätze, da er eine Menge unverbrannter Kohleteilchen besitzt; dieser wird durch seinen Gehalt an Brikettasche – ganz Berlin feuert in den Stubenöfen fast nur Briketts – nahezu unverbrennlich gemacht.

Inzwischen hatte die Gesellschaft „Müllschmelze“, Inhaberin eines Patents Wegener, Versuche mit einem nach diesem Patent auf der Gitschinerstraße erbauten Ofen angestellt und völlig befriedigende Resultate erzielt. Das, wie unsere Abbildung zeigt, in einer Retorte dem Ofen staubfrei zugeführte Müll wird hier durch eine Wärme von 800 Grad vorgetrocknet und in seinen brennbaren Bestandteilen vergast und gelangt nun unter Zuführung von Kohlenstaub bei 1800 bis 2000 Grad in dem großen Schachtofen zum Schmelzen. Der Rückstand, die unverbrennbare, geschmolzene Schlacke, etwa 10% der Einschüttung, fällt weißglühend in ein zu ebener Erde angebrachtes großes Wasserbecken. Die schematische Darstellung in der linken unteren Ecke unserer Abbildung gewährt dem Leser ein klares Bild der Konstruktion dieses Ofens.

Der Betrieb des Ofens ist am 8. März d. J. eröffnet, und der Ofen arbeitet bis jetzt geruch-, rauch- und staublos, völlig tadelfrei. Augenblicklich werden bei Tag- und Nachtbetrieb 1000 Centner Müll täglich geschmolzen. Die überschüssige Wärme, die am Eingang zum Fuchs, d. h. zum Kanal, der die Feuergase aus dem Feuerraum zum Schornstein leitet, noch 1250 Grad beträgt, ist leicht auszunutzen und würde bei Schmelzung des Berliner Gesamtmülls eine sehr erhebliche Anzahl von Pferdekräften ergeben. Die Schlacke hat man versucht zu zerstampfen und als Schmirgelmaterial zu verwenden. Sie soll nach den bisherigen Versuchen den Härtegrad des Feuersteins besitzen und würde in dem Falle z. B. Glas- und Schmirgelpapier völlig ersetzen können. Sie hat sich ferner vollständig säurefest erwiesen und müßte, allmählich abgekühlt, zur Herstellung feuer- und wetterbeständiger Steine, Glasflüsse u. dgl. sehr geeignet sein. Ferner läßt sich dieser Rückstand zur Aufschüttung von Wegen, Eisenbahndämmen und als Ersatz von Kies bei Betonpflasterungen verwenden. Dem Asphalt zugesetzt, soll er diesem die Glätte nehmen.W. Berdrow.     

Wie weit hört man den Donner? Aus der Anzahl der Sekunden, die zwischen Blitz und Donner verstreicht, läßt sich annähernd berechnen, wie weit die nächste Stelle des Blitzes von dem Beobachter entfernt ist. Man multipliziert die Zahl der Sekunden mit 340, da der Schall in der Sekunde 340 m zurücklegt. Sind zwischen Blitz und Donner 10 Sekunden verflossen, so beträgt die Entfernung 3400 m. Auf Grund solcher Beobachtungen ist ermittelt worden, daß der Donner nur auf verhältnismäßig kurze Strecken zu hören ist. Starkes Geschützfeuer vernimmt man noch in einer Entfernung von 100 bis 120 km, während für die Wahrnehmbarkeit des Donners in der Regel 20 bis 25 km als die weitesten Entfernungen berechnet worden sind. Nur ausnahmsweise wurde zwischen Blitz und Donner die Zeit von etwa 100 Sekunden beobachtet, so daß etwa 35 km als die äußerste Grenze für die Hörbarkeit des Donners gelten dürfen.


Herausgegeben unter verantwortlicher Redaktion von Adolf Kröner in Stuttgart. Verlag von Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig.
Druck von Julius Klinkhardt in Leipzig.
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verschiedene: Die Gartenlaube (1899). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1899, Seite 516. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1899)_0516.jpg&oldid=- (Version vom 31.12.2024)