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Fig. 4. Andrées „Adler“ im Aufstieg.
beträchtliches Stück in die Luft erhob, um freilich, schnell abgekühlt von den Winden, alsbald wieder zu sinken. Das Bessere ist des Guten Feind: als am 27. August desselben Jahres Professor Charles’ gasgefüllter, 5 w hoher Ballon nach 20stündigen, vom Spott der Menge begleiteten Vorbereitungen sich majestätisch von der Erde löste und in die Wolken schoß, wie eine Geistererscheinung angestarrt von hunderttausend Augen, da drohte der Bruder Montgolfier Ruhm zu verblassen. Man überbot sich jetzt, wie wir’s noch heute nicht besser können. Die Feuermaschine der Montgolfiers, ein von erhitzter Luft getragener Papierballon, stieg vor den Parisern, mit drei Tieren besetzt, empor, und noch im Oktober des Erfindungsjahres hatte Frankreich seine ersten Aeronauten, Pilatre de Rozier und Marquis d’Arlande; auch sie bedienten sich der „Montgolfiere“. Charles stieg dann mit dem Mechaniker Robert noch im Dezember 1783 in einem großen Wasserstoffballon empor und erreichte, als bei der Landung sein Gefährte unvorsichtig die Gondel verließ, mit dem pfeilschnell in die Atmosphäre zurücktauchenden Ballon eine Höhe von 3000 m.
Die für die Erdbewohner schon versunkene Sonne ging dem Auge des Gelehrten an diesem Abend noch einmal auf, und die ersten, wenn schon nicht welterschütternden Forschungsergebnisse schieden gleich beim Beginn die Ballonfahrten des Gelehrten von denen des Berufsaerouauten, der auf Sensation ausging und dessen Evolutionen fast immer schließlich auf HalsoderBeinbrüche hinausliefen.
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Fig. 5. Die Hensonsche Flugmaschine.
Es genügt, aus der Weiterentwicklung der Luftschiffahrt gewisse Marksteine andeutungsweise hervorzuheben. Schon 1874 erfolgte die erste Ballonfahrt über das Meer, von Dover nach Calais. Blanchard, der später Vielgenannte, wagte und vollführte sie; eine Denkfaule am Kap Gris Nez bezeichnet den Ort der Landung. Pilatre de Rozier, der diese Fahrt mit mehr Ruhmsucht als Vernunft nachmachen wollte und, nach des Nestor Charles’ warnendem Ausspruch, „ein Pulverfaß über Feuer“ hing, d. h. eine gasgefüllte Charliere über eine flammengenährte Montgolfiere, zerschellte fünf Monate später auf denselben Felsen.
Es brach die Zeit der Ballonsucht an, jeder Mann, jede Frau von Namen mußte eine Reise durchs Luftmeer gemacht haben; die Berufsaeronauten wie Blanchard, Green, Durouf u. a., die entweder den Hals brachen oder in Armut und Einsamkeit starben, wenn ihre Zeit um war, wurden die Löwen der Gesellschaft. Wer die weitesten Fahrten machte, wer 12, 15, 20 Stunden in der Luft blieb, war der Berühmteste. Green fuhr 1836 von London bis Weilburg, 6701cm in 19 Stunden; Godard machte 1851, mit der Prinzessin von Solms und anderen hochstehenden Persönlichkeiten in der Gondel die Reise von Paris nach Spaa; Nadar, der sich später der Flugmaschine Widmete, kam 1863 mitneunPersonenindemriesenhaften „Giant“ von Paris bis Nienburg an der Weser binnen 14 Stunden. Gewaltige Reisen, einmal durch den größten Teil Frankreichs, einmal von Paris nach Preußen, hat auch Flammarion in 11 beziehungsweise 12 Stunden gemacht, und unter den kühnen Patrioten, die Paris während der winterlichen Einschließung 1870 im Ballon verließen, wurden zwei in einem großen Ballon während einer 20stündigen, furchtbaren Fahrt 1900 km weit, bis tief in die norwegischen Einöden hinein, verschlagen.
Das ist die bei weitem längste aller bisherigen Luftreifen, wenn sie nicht von der Fahrt Andrees, über die es immer noch an Kunde mangelt, inzwischen übertreffen ist.
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Fig. 6. Lilienthals Flugapparat.
Nach einer Augenblicksaufnahme von Ottomar Anschütz G. m. b. H. in Berlin.
Langer Luftreisen aus der Neuzeit gedenken wir später, hier gilt es zunächst noch einer kurzen Epoche von Ballonfahrten anderen Charakters aus dem Beginn dieses Jahrhunderts ein Wort zu widmen, die nichts von dem Begehren nach Sensation und Ruhm an sich hatte wie die vorerwähnte, aber um so mehr ehrliches Streben nach Aufklärung und wissenschaftlichem Fortschritt. Deutschland, wo auch die wichtigsten Forschungsreisen der Neuzeit im Ballon unternommen wurden, hat im Jahre 1803 die erste derartige Fahrt zur Erforschung der höheren Luftschichten gesehen, die von L’Holst und Robertson in Hamburg unternommen wurde. Dann siedelte dieser Zweig der Forschung nach Frankreich und England über, wo besonders Gay Lussac und Glaisher durch ihre Hochfahrten berühmt geworden sind. Haben auch die Resultate dieser älteren Hochfahrten durch die strengeren und mit besseren Instrumenten ausgeführten Forschungsreisen des Deutschen Vereins zur
verschiedene: Die Gartenlaube (1899). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1899, Seite 565. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1899)_0565.jpg&oldid=- (Version vom 30.12.2024)