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worden sein.[1] Der Altar besteht aus einem Aufbau von Holz, der mit Ornamenten aus getriebenem Silber bedeckt ist. Er zeigt in der Mitte das getriebene Silberrelief des Gekreuzigten zwischen den beiden Schächern, darüber um eine Achatplatte eine Wolkenglorie mit geflügelten Engelsköpfchen und die Taube, als Bekrönung die Figur des auferstandenen Heilandes zwischen den allegorischen sitzenden Figuren der Hoffnung und des Glaubens und als Predella in getriebener Arbeit die Darstellung des Abendmahls. An den Seiten des Rahmens sind zwei ovale Medaillons mit der Verkündigung und der Geburt in Maleremail angebracht.
Bei diesen Gefäßen muß man vor allem die Schönheit des künstlerischen Entwurfes und die Zeichnung der Einzelheiten bewundern. Manche dieser Stücke mögen nach Entwürfen von Malern und Radierern entstanden sein, die meisten wohl aber nach den eigenen Zeichnungen der Goldschmiede selbst. Thelot z. B. war ein ebenso geschickter Radierer wie Goldschmied. Seine Kupferstiche zu Amor und Psyche, zur Äneis und die der vier Jahreszeiten sind bekannte Arbeiten. Daß in der Goldschmiedekunst der Barockzeit noch häufig Renaissanceformen vorkommen, findet seine Erklärung in dem an alter Überlieferung starr festhaltenden Zunftwesen, das Neuem und einer neuen Formenwelt nur schwer und zögernd sich erschloß. Schon in der Zeit der Renaissance kann man die Beobachtung machen, daß in der Goldschmiedekunst mehr und mehr der Wert der künstlerischen Form und Gestaltung den Materialwert übertrifft. Das ist ebenfalls bei den Gefäßen der Barockzeit der Fall, wenn es auch zu allen Zeiten und besonders später, im 18. Jahrhundert, Werke gab, bei denen die Absicht, durch die Kostbarkeit der verwendeten Materialien zu wirken oder zu verblüffen, sich deutlich kund gibt.
Betrachtet man die Gefäße auf ihre Form hin, so erkennt man, daß die einzelnen Teile derselben ihre Zweckbestimmungen trotz reicher Verzierung sachlich und deutlich zum Ausdruck bringen.
Das Ornament, bestehend aus Masken, Kartuschen, Voluten, Frucht- und Laubgehängen, Tierköpfen, Engeln und Frauengestalten, weist dieselbe Wandlung auf wie in der großen Kunst, wie sie beispielsweise bei den Bildhauerarbeiten in kurzen Zügen geschildert wurde. Des Ornament läßt klar den Zusammenhang oder die Herkunft aus Italien und den Niederlanden erkennen. Wir bewundern bei den getriebenen Blumen und Früchten wie bei den getriebenen und gegossenen Figuren einen freien gesunden Naturalismus, der noch weit entfernt ist von der Überfeinerung und Zierlichkeit des Rokoko.
Der Reichtum an Kunstwerken, den die Erneuerungsarbeiten in der Kirche
zutage brachten, eine nicht unbedeutende Bautätigkeit im 17. Jahrhundert in
- ↑ Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen. Heft XXI. S. 163.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/104&oldid=- (Version vom 17.3.2026)