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bei der Auflösung des Klosters nach Einführung der Reformation ihren gestifteten Kelch zurückforderten, einen Hinweis auf die enge Verbindung dieser Zunft zum Konvent und die Zugehörigkeit zur Bruderschaft.[1]

Auch der Rat zu Dresden war als Wohltäter des Klosters, wenn auch nicht zur Bruderschaft gehörig, doch in enge Beziehung mit dem Kloster getreten. Schon für das Jahr 1410 ist die erste, gewissermaßen amtliche Verbindung des Rates mit der Klosterkirche bezw. dem Konvent festzustellen. In diesem Jahre übernahm der Rat die Verwaltung der bescheidenen Klostereinkünfte und ernannte zu diesem Amte jährlich zwei Klosterverweser aus seiner Mitte. Der Orden erwies sich dafür dankbar, indem er die Ratsmitglieder, deren Frauen und Kinder in das Gebet der gesamten Ordensprovinz einschloß und sie nach dem Tode der Segnungen der Messen, Vigilien, Gebete, Fasten und Kasteiungen der Mönche teilhaftig werden ließ.[2]

Die Kapelle ist ein 5 m breiter, 8 m langer Raum mit einer im Osten aus dem Achteck gebildeten kleinen Choranlage. In den Chorecken steigen Runddienste auf, die in halber Fensterhöhe durch eigenartig gebildete Konsolen hindurchgehen. Eine dieser Konsolen ist mit gotischem Blattwerk verziert, die zweite mit einem heraldisch aufgefaßten Adler, die dritte zeigt das Brustbild eines Engels und an den beiden anderen gewahrt man die Büsten einer Frau und eines Mannes. Es sind, insbesondere die Büste des Mannes, für die mittelalterliche Bildhauerkunst in Dresden beachtenswerte Schöpfungen, weil man an ihnen deutlich erkennt, daß der Künstler Porträtdarstellungen schuf. (Taf. I, Abb. 2 u. Taf. II.) Auf der Brust unter dem wulstartigen Saume am Halse des Mannes ist ein kleines Schild mit einer Hausmarke sichtbar, die uns darauf hinweist, daß wir in den beiden Bildnissen Mitglieder der Familie Busmann vor uns haben. Es ist die Marke, wie sie auch auf einem Siegel an einer Urkunde aus dem Jahre 1485 im Ratsarchiv erhalten ist.[3] Dasselbe Zeichen befand sich auf einem Schilde an einem Treppenturm, der westlich an die Kapelle angebaut war. (Taf. I, Abb. 1.) Eine andere Abbildung (Tafel XII bei Kirsten) zeigt, daß früher noch mehrere bildhauerisch bearbeitete Konsolsteine vorhanden waren. Da außer den beiden Büsten der Stifter Konsolsteine mit zwei Evangelistendarstellungen, dem Engel des Matthäus und dem Adler des Johannes erhalten sind, dürften die jetzt fehlenden den Löwen des Markus und den Stier des Lukas dargestellt haben. Die Blattwerkkonsole scheint, wie man an der verschiedenartigen Profilierung ersehen kann, nicht dem ursprünglichen Bau der Kapelle zugehörig gewesen, sondern erst später in die Kapelle versetzt worden zu sein. Bei den Ausgrabungen im Jahre 1910 haben sich weitere sieben mit dieser letzteren stilistisch übereinstimmende Konsolsteine gefunden, vier davon


  1. Hasche, Diplomatische Geschichte. Urkundenbuch S. 453: „Dy schneider haben ihren kelch hinweg.“
  2. Die hierüber von dem Ordensprovinzial Hermannus unter dem Datum Bautzen, 12. Oktober 1410, ausgestellte Urkunde mit dem Siegel wird im Dresdner Ratsarchiv aufbewahrt.
  3. Cod. dipl. II 5. No 391.
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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/20&oldid=- (Version vom 22.1.2026)