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steht dagegen vor dem hohen, ebenfalls 1421 errichteten Westgiebel, die Zweiteilung der Kirche auch nach außen hin zum Ausdruck bringend. Diesen Erweiterungsbau führte Nicolaus Moller als Baumeister aus. Den Giebel, den Meister Peter deckte, hatte man am 14. Juli 1421 zu bauen angefangen.[1] (Taf. VI, Abb. 1.)
In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts ist die nicht sehr geschickte Uberwölbung der Kirche ausgeführt worden. Das Gewölbe ist in reichem Rippenwerk, durch beiderseitig mit Hohlkehlen profilierte Rippen ausgeführt. Einzelne Kämpfer setzen mit kleinen Konsolen an. Die Ungleichmäßigkeit des Gewölbes läßt eine längere Bauperiode vermuten. Der zwischen den beiden Choranlagen am Äußeren entstandene dreieckige Raum wurde nischenartig mit einem Netzgewölbe aus Ziegeln überwölbt. Aus den von 1486, 1487 und 1489 erhaltenen Klosterrechnungen kann man auf mancherlei kleinere Bauausführungen an Kloster und Kirche schließen.
Ein neuer Abschnitt in der Baugeschichte der Kirche beginnt mit der
Einführung der Reformation in Sachsen im Jahre 1539 nach dem Übergange der
Regierung auf Herzog Heinrich den Frommen. Der katholische Gottesdienst wurde
verboten und die Kirchengüter und Klöster, soweit sie nicht zur Abhaltung des
evangelischen Gottesdienstes Verwendung fanden, eingezogen.
Das Barfüßerkloster und die Kirche übergab Herzog Heinrich der Fromme laut einer am 11. Februar 1541 ausgestellten Urkunde dem Rate zu eigen[2], nachdem dieser bereits im Jahre 1539 auf Veranlassung der Kirchenvisitatoren die heiligen Gefäße, Kirchenornate und andere Kleinodien verzeichnet und für eine spätere Verwendung in Verwahrung genommen hatte. Vor dem Auszuge aus dem Kloster hatten die Mönche vermutlich die Reliquien nach Entfernung der Edelmetallfassungen, die wahrscheinlich an den Rat abgegeben worden waren, in einer schwarzen sargartigen Kiste in einer Gruft im nördlichen Chore geborgen, wo sie bei den Bauarbeiten im Jahre 1910 zutage kamen. (Taf. V, Abb. 2.) Sie wurden zugleich mit dem in den Grabstätten gefundenen Geschmeide in das Stadtmuseum gebracht.[3] Es sind Bruchstücke eines Kreuzes von Bergkristall, kleine Gefäße und Phiolen von reliefartig bearbeitetem Bergkristall und von Glas, die noch zum Teil mit heiliger Erde und heiligem Öl gefüllt sind, ein in Gold gefaßter Zahn, ein silbernes Kreuzchen, vermutlich einen Splitter vom Kreuze Christi enthaltend, zwei mit verblichenen Sprüchen versehene Straußeneier und zwei Kokosnüsse und eine Hostie mit der Auferstehung Christi. (Taf. VI, Abb. 2.)
- ↑ Ratsarchiv A. XVb No 35 Bl. 3a: „Jtem Dominica Suscepimus hup man den gebil an zcu machen“; Bl. 4b: „Jtem dem buwemeister Nicclaus Moller XL ij gr., daz ist gar beczalt durch burgermeister kalg und cigel.“ Bl. 6a: „Jtem Meister Peter xxiiij gr. salbander iiij tage den gebil zcu decken.“
- ↑ „Jdoch das es guttigen vnd milden sachen zugewendt, vnd zu förderung derselben gereiche.“ Original der Urkunde im Ratsarchiv.
- ↑ Führer durch das Stadtmuseum zu Dresden. 1911. S. 4.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/22&oldid=- (Version vom 8.1.2026)