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Die bemerkenswertesten Objekte dieses Reliquienfundes sind zwölf kleine, ikonographisch wertvolle Perlmutterscheiben, die wahrscheinlich den Schmuck eines Reliquienkästchens gebildet hatten. (Taf. VII und VIII.) Die vortrefflich in das Rund eingefügten Reliefdarstellungen stellen Szenen aus der Leidensgeschichte Christi und der Heiligenlegende dar. Die Formengebung der Gesichtszüge, der Haartracht, des Körpers des an das Kreuz gehefteten Heilandes, die Behandlung der Gewandung und der Bäume im Hintergrunde lassen einige dieser Reliefs als Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erscheinen. Andere Darstellungen scheinen älter und von anderer Hand gefertigt zu sein.

Der Rat hatte die ihm zugeeigneten Baulichkeiten nicht in Benutzung genommen und das Klostergrundstück wurde von dem Landesherrn als Zeughaus benutzt. Mit einem Schreiben vom 22. Februar 1544[1] fordert Herzog Moritz den Rat auf, die Sakristei im Kloster auszuräumen und seinem Zeugmeister Caspar Voigt die Schlüssel zuzustellen. Nach Vollendung eines neuen Zeughauses im Jahre 1563 in der Gegend des Ziegeltores wurde zwar das Kriegsmaterial aus dem Klostergrundstück in das neue Gebäude überführt, die Klosterbaulichkeiten nunmehr aber zu anderen Dingen in Benutzung genommen. Die Klosterkirche diente zur Lagerung von Boysalz, Getreide und anderem Proviant, in ihr war ferner eine Werkstatt zur Anfertigung der Weinkuffen für die Hofkellerei eingerichtet worden. Daraus erklärt sich die damalige Bezeichnung „Kuffenhaus“ für die Klosterkirche. Die übrigen Klostergebäude wurden als Pferdeställe, Wagenremisen, Kutscherwohnungen und dergleichen benutzt. Die neue Verwendung bedingte für das Kirchengebäude bauliche Veränderungen. Auf dem Fußboden der Kirche wurden Bretterverschläge aufgestellt, man entfernte die Glasfenster und setzte die Fenster teilweise mit Ziegeln zu, um die im Inneren der Kirche lagernden Waren vor Witterungseinflüssen und Diebstahl besser zu sichern. Unter dem Deckengewölbe legte man zwei Getreideschüttböden übereinander an. Die Vorrichtung zum Aufwinden des Getreides hat sich bis heute im Dachgeschoß der Kirche erhalten. Die Klosterkirche diente in dem im Inneren veränderten Zustande dieser Benutzung noch zur Zeit, als nach dem Tode des Kurfürsten Christian I. im Jahre 1591 die Administration Kursachsens durch Herzog Friedrich Wilhelm von Weimar als Mitvormund des minderjährigen Kurprinzen Christian II. eintrat.

Bereits im Jahre 1555 hatte der Rat den Kurfürsten August um Rückgabe der Klosterkirche gebeten, um „Gottes Wort und Dienste darinnen predigen und verrichten zu lassen“, wie wir einem Schreiben des Kurfürsten vom 5. September dieses Jahres an seinen „Oberzeug- und Baumeister“ Caspar Voigt entnehmen, doch war die Übergabe an den Rat nicht erfolgt und dieser scheint seine Bitte nicht wiederholt zu haben.

Unter der Administration Herzog Friedrich Wilhelms machte sich aber das Bedürfnis von neuen Begräbnisstätten für wohlhabende und vornehmere Mitglieder


  1. Ratsakten B. III. 1. Bl. 1c.
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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/23&oldid=- (Version vom 30.1.2026)