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die Angelegenheit des Rates bei Hofe zu vertreten. Er war im Jahre 1594 auf besonderen Wunsch der Kurfürstin Sophia von Braunschweig nach Dresden berufen worden und ihm lag es am Herzen, der Lehre Luthers eine neue Stätte zu schaffen. Er war einer jener Männer, die in zähem Kampfe gegen alles auftraten, was nicht ganz in Luthers Sinne war, einer der eifrigsten Anhänger der Konkordienformel, ein Mann, „den sein eigner Fürst nur entblößten Hauptes anzureden gewagt haben soll“.[1]
Von besonderer Bedeutung für die Geschichte der Kirche ist ein Abschnitt am Schlusse des Gesuches an die Kurfürstin, in dem sich der Rat bei Gewährung seiner Bitte erbietet, die Kirche nach ihr Sophienkirche zu nennen. „Damit der Münche Nahmen Barfüsser Closter Kirche Abgeschafft, dieselbe nach E. Churf. Gn. Taufnahmen Zum ewigen gedechtnus Zu Sanct Sophien nennen zu lassen.“
Da das Gesuch ohne jegliche Bescheidung blieb, war der Rat gezwungen, die Mittel zur Instandsetzung der Kirche sich durch Anleihen zu verschaffen, zumal ihm nur ein kleines Vermächtnis von 100 fl. für diesen Zweck zur Verfügung stand.[2]
Die Bauausführungen dauerten von 1599 bis 1602.[3] Bauleitung und -rechnung hatte Bürgermeister Jonas Möstel als Bauherr. Vor Beginn der Bauarbeit ließ man durch den Notar Stephan Hanemann ein Verzeichnis der vorhandenen Leichensteine aufstellen. Dieses Verzeichnis vom 14. Juni 1599 hat sich erhalten und befindet sich in den Miscellaneen zu Wecks Dresdner Chronik (Handschrift d. 60 der Königl. öffentlichen Bibliothek). Man stellte damals das Vorhandensein von 73 Leichensteinen fest, die man von dem Maler Daniel Bretschneider und dem Tischler David Fleischer „abreißen“, d. h. abzeichnen und numerieren ließ.[4] Einer dieser Steine, des Andreas Kirchhain (1526), ist bei den Instandsetzungsarbeiten im Jahre 1910 wieder aufgefunden worden. Die zerbrochenen Leichensteine verwendete der Steinmetz Bernhard Reuter, der auch den Predigtstuhl und die Gewände der Kirchentüren fertigte, für Stufen zum Wendelstein auf den Schülerchor, andere steinerne Tafeln wurden versetzt bezw. zugespitzt, 7 Fuder Steine aus der Kirche hinter das Spital zur Ausbesserung des Weges geführt. Mit Sand und Schutt wurde die Kirche ausgefüllt und erhöht. Als Maurermeister waren Hans Petzel, Hans Hemann und Christoph Müller beschäftigt. Ein offenes Stück im Gewölbe, durch das eine Treppe auf den Boden führte, wurde zugemauert, während zwei andere Löcher im Gewölbe, durch die das Getreide an Seilen auf den Schüttboden gezogen worden war, mit runden eichenen Pfosten geschlossen wurden. Ein neues Gestühl mit besonderem Ratsgestühl wurde angefertigt, die Emporen durch steinerne Postamente, die man unter die hölzernen Säulen schob, gestützt. Die Namen der bei diesem Umbau beschäftigten Handwerker sind bekannt.[5] Der Bau kostete 2715 fl. 19 gr. 4 pf.
- ↑ Tholuck, Lebenszeugen der lutherischen Kirche 1859. S. 254 ff.
- ↑ Ratsakten B. II. 109r S. 128b.
- ↑ Ratsakten B. II. 109r: „Originalia der Kloster Kirchen Rechnungen annorum 1599–1602.“
- ↑ O. Richter, Dresdner Geschichtsblätter VI. Jahrg. 1897 No 4 S. 69 Gregor Heimburgs Grab.
- ↑ Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen Heft XXI S. 90/91.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/25&oldid=- (Version vom 11.2.2026)