Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/31

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Die sehr reich geschmückte hölzerne Eingangstüre mit dem Relief der Ehebrecherin vor Christus unter einer Bogenarchitektur, den ornamentierten Füllungen, den kannelierten Halbsäulen und Pilastern, den Wappen und dem Wahlspruche der sächsischen Kurfürsten, ist inschriftlich mit der Jahreszahl 1556 bezeichnet.

Das Goldene Tor, eines der edelsten Werke der Frührenaissance in Sachsen, ist nach meinen Untersuchungen ein Werk des Hofsteinmetzen Hans Kramer.

Hans Kramer wurde im Jahre 1554 Hofsteinmetz und war als solcher am Dresdner Hofe tätig, für den er auch am Schlosse zu Torgau Arbeiten ausführte.[1] Wie sehr seine Kunst vom Kurfürsten geschätzt wurde, bezeugt die Absicht, dem Meister einen Teil der Arbeiten am Moritzmonument in Freiberg zu übertragen. Der Plan wurde nicht verwirklicht, weil Hans Kramer „wegen anderer Bäulich“ nicht von seinen Dresdner Arbeiten abkommen konnte.[2] Hans Kramer lieferte 1556/57 Arbeiten für die Frauenkirche und ist nach Otto Richters Nachweis der Verfertiger des mit den Buchstaben H K bezeichneten trefflichen Alabasterreliefs, das von dem Grabdenkmal des 1562 verstorbenen Ritters Günther von Bünau aus der alten Frauenkirche stammt und im Stadtmuseum in Dresden aufbewahrt wird.[3] (Taf. XI.)

Das Relief stellt den Triumph Christi über Hölle, Tod und Teufel in einer portalartigen Umrahmung dar. In den Zwickeln der nach oben abschließenden Rundung sind zwei außergewöhnlich fein durchgebildete Figuren angebracht, die Genien der Stärke (Säule) und der Hoffnung (Palmzweig und Kranz). Im unteren Teile der Darstellung knieen die Mitglieder der Familie vor dem in der Mitte aufgerichteten Kruzifixus; links hinter dem Ritter steht der Tod als Gerippe, der ihn mit einer Pistole im Rücken bedroht und mit dem linken ausgestreckten Arm das Stundenglas zeigt, auf der Gegenseite schwingt im Rücken der Frau ein Teufel mit Bocksbeinen eine Lanze, und hinter der ihr zur Seite knieenden Tochter gewahrt man den geöffneten Höllenrachen. Zu beiden Seiten des Kruzifixus, in der Höhe des Querbalkens, sind zwei Inschrifttafeln mit Engelsköpfen perspektivisch gebildet, um dem Beschauer den Eindruck einer gewissen Raumtiefe vorzutäuschen, die Inschriften sind verwischt. Über dem Kruzifixus erhebt sich in Hochrelief, von einer Engelglorie auf Wolken umgeben, der auferstandene Christus, der an vergoldeten Ketten den Tod, den Teufel und die Hölle mit der am Kreuze sich windenden Schlange gefesselt hält. Die Arbeit kann mit Recht als eine hervorragende Schöpfung der Zeit gelten und läßt den Ruf und das große Ansehen Hans Kramers als Künstler gerechtfertigt erscheinen.

Im Jahre 1565 schied Kramer aus den Diensten des Kurfürsten August, um unter sehr günstigen und ehrenvollen Bedingungen nach Danzig zu gehen. Neben


  1. Max Lewy, Schloß Hartenfels bei Torgau. Berlin 1908. S. 25.
  2. Akten des Hauptstaatsarchivs, Churf. Moritz Monument zu Freibergk Belangende 1563. Brief Kurf. Augusts vom 6. Juni 1560. Loc. 4381. fol. 13.
  3. Führer durch das Stadtmuseum zu Dresden 1911. S. 11.
Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/31&oldid=- (Version vom 13.2.2026)