Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/32

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

seiner dortigen Tätigkeit als städtischer Baumeister und Steinmetz, sowie als Festungsbaumeister, hatte er vom Rate der Stadt Danzig das Recht verliehen erhalten, jährlich zwei Bauten für Bürger auszuführen und übte dadurch einen bedeutsamen Einfluß auch auf den Danziger Privatbau aus. Bei der Belagerung Danzigs im Jahre 1577 starb Kramer, von einer feindlichen Kugel getroffen.

Über die hervorragende künstlerische Tätigkeit Hans Kramers in Danzig hat Georg Cuny in seiner Arbeit „Danzigs Kunst und Kultur im 16. und 17. Jahrhundert“ (Frankfurt a. M. 1910 S. 15–29) seine Forschungen veröffentlicht. Nach Cuny ist Kramer der Erbauer des Englischen Hauses Brotbänkengasse 16. Das prachtvolle Viergiebelhaus mit Mittelturm ist reich mit plastischen Arbeiten und war als einziges für Danzig nachweisbares Beispiel mit Sgraffitomalereien geschmückt. Vielleicht sind für diese malerische Schmückungsart die Sgraffitofassaden des Dresdner Schlosses vorbildlich gewesen, die um 1550 von italienischen Malern ausgeführt worden waren. Cuny bezeichnet ferner das „Grüne Tor“ in Danzig als ein Werk Kramers und auf Grund der an diesen Bauten vorhandenen eigenartigen Bauweise erkennt er Hans Kramer noch als Baumeister zweier Patrizierhäuser, deren eines nach seiner Verzierung mit den vielen Löwenmasken und den beiden das Säulenportal bekrönenden liegenden Löwen die Bezeichnung „Das Löwenschloß“ erhielt. Diese Verzierung, die sich in Danzig an verschiedenen Bauten findet, scheint seit Kramers Tätigkeit, der als das Haupt des städtischen Bauwesens von einem Stab von Künstlern umgeben war, dort sehr beliebt geworden zu sein. Auch das jetzt den Eingang zum Stadtverordnetensaal im Rathause bildende schöne Portal u. a. m. gehen nach Cuny auf Hans Kramer zurück.

Die stilistische Übereinstimmung des Bünau-Reliefs und der plastischen Arbeiten an den Danziger Werken Kramers mit dem Dresdner Tore läßt mit Sicherheit in Hans Kramer den Meister des Goldenen Tores in Dresden erkennen.

Die Gleichartigkeit erstreckt sich bis in Einzelheiten. Die Behandlung des Nackten bei dem Bünau-Relief, dem figürlichen Schmucke an den Danziger Arbeiten und am Goldenen Tore ist völlig übereinstimmend. Dasselbe gilt für die Faltengebung, die, wie beim Lendentuche des Heilandes am Relief und den Skulpturen in Dresden und Danzig, an vielen Stellen in schmal gelegten Falten angeordnet ist, während die Gewandsäume und unteren Teile der Gewänder lebhaft und oft zackig bewegt sind. Kopf, Hals und Hände, Faltenwurf und technische Behandlung der liegenden Genien an dem Relief und dem Dresdner Portal lassen keinen Zweifel über die gleiche Hand zu. Aus dem Auferstehungsrelief am Goldenen Tore erscheinen einzelne Kriegerköpfe und Gestalten, Schilde und andere Waffenstücke an den Danziger Bauten wiederholt. Auch die phantastischen Köpfe mit hängendem Schnauzbart, wehenden Haarschöpfen und Zackenkrone, die Cuny hervorhebt, sind am Dresdner Tore wahrzunehmen, wie auch die scheinbar mühelose Erfindung im Ornament, das den Eindruck macht, als habe Kramer aus einem vielleicht in Venedig mit Zeichnungen gefüllten Skizzenbuche

Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/32&oldid=- (Version vom 13.2.2026)