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man das feiner durchgebildete stilistische Gefühl. Wenn ein Italiener das Portal entworfen hätte, dürfte er auch schwerlich eine ganz verschiedene Ornamentik in der linken und rechten Hälfte der Archivolte gewählt haben. Die Ranken der linken Seite sind mit Putten und Vögeln belebt, die ganz anders gebildeten Ranken der rechten Hälfte gehen von einem mittleren Löwenkopf gleichmäßig nach den beiden Seiten aus. Wenn in Italien voneinander verschiedene Füllungen zweier sich entsprechender Pilaster vorkommen, so ist das Ornament so gestaltet, daß das Aufstrebende der Ranken, ihre Verzweigung und Einzelheiten in Harmonie gesetzt sind und deshalb dem Beschauer zuerst gar nicht als eine Verschiedenheit ersichtlich werden. Am Dresdner Tore ist das nicht der Fall, einer Häufung oder Verdichtung auf dem einen Pilaster entspricht meistens ein leichteres, dünneres Ornamentglied auf demselben Teile des anderen Pilasters, ein Umstand, der den künstlerischen Eindruck beeinträchtigt.

Erwähnt sei, daß die Statue des Johannes des Ev. mit dem Adler zu Füßen später als die übrigen Teile des Tores entstanden ist. Sie kam wohl im Jahre 1772 an ihre Stelle, als das Goldene Tor von Grund auf neu aufgeführt wurde.

Paul Schumann hat in einem Aufsatze „Nosseni und die Walther“ die über den bezw. die Meister des Portals ausgesprochenen Hypothesen zusammengestellt.[1]

Hiernach glaubte Steche nach der Ähnlichkeit der Ornamentik an dem Taufstein der Jakobikirche zu Freiberg mit der am Georgentore und dem Kapellentore in Dresden Hans Walther nennen zu müssen, sprach aber in seiner Doktordissertation[2] die Vermutung aus, daß vielleicht Hans Kramer am Kapellentore mitgearbeitet habe. Steche hielt den Entwurf des Portales, die Durchbildung seiner Architektur, die Motive der Ornamentik, der Archivolte und Bogenzwickel der Tür, die Rundung des Nackten in dem figürlichen Teile, unleugbar für oberitalienische, speziell venezianische Arbeit aus der Schule der Lombardi. Auch bei dem Attikarelief der Auferstehung, seither als sicher von einem deutschen Meister herrührend erkannt, nahm Steche italienischen Ursprung an.

Cornelius Gurlitt unterscheidet rein italienische Schmückungsformen und Arbeiten eines Deutschen, den er in den Statuen, dem oberen Aufbau und in den Zwickelfiguren erkennt.[3] Im Hefte XXII des Inventarisationswerkes Seite 358 nennt Gurlitt als den vermutlichen Meister des Schloßkapellentores den Bildhauer Hans Walther.

Dieser Ansicht schließt sich Berthold Haendtcke an und bezeichnet Hans Walther als den geistigen und in einer Reihe von Statuen auch als den manuellen Urheber dieser Arbeiten.[4]


  1. Erweiterter Sonderabdruck aus der Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers 1907. No 20.
  2. Franz Richard Steche, Hans von Dehn-Rothfelser. Dresden 1877. S. 21.
  3. Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen. Heft XXI. S. 148.
  4. Berthold Haendtcke, Studien zur Geschichte der sächsischen Plastik der Spätrenaissance und Barock-Zeit. Dresden 1903. S. 21.
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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/34&oldid=- (Version vom 14.2.2026)