Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/35
Auch Walther Mackowsky folgt der einen Annahme Gurlitts und schreibt den Hauptschmuck des Tores dem Italiener Juan Maria da Padua, die zwischen den Säulen aufgestellten Figuren und den oberen Aufbau vermutungsweise dem Hans und Christoph Walther zu.[1] Daß ein Christoph Walther hierbei nicht in Frage kommen kann, hat Schumann a. a. O. S. 2 nachgewiesen. Bei keiner der dem Hans Walther zugeschriebenen Arbeiten (Schumann a. a. O. S. 7 und 8) ist eine stilistische Übereinstimmung mit dem Goldenen Tore festzustellen.
Die hauptsächlichsten Veränderungen im Inneren der Kirche bestanden in der Umwandlung der Busmannkapelle in eine Sakristei des Oberhofpredigers, in der am 17. September 1737 die erste Privatkommunion stattfand, und in einer bedeutenden Erweiterung der Emporeneinbauten. In der Kapelle wurde in halber Höhe der Fenster eine Decke mit Rippen eingespannt. Den Oberraum benutzte man als Bälgekammer für die auf der Empore über dem Südchor stehende Orgel, die in den Jahren 1720/21 von Silbermann erbaut worden war. Sie kam 1875 beim Umbau der Kirche und der Busmannkapelle auf die Westempore.[2] Auf die Einrichtung des Oberraumes als Bälgekammer deutet auch die in Höhe der Konsolsteine an der Westwand befindliche balkonartige Empore, die wahrscheinlich als Unterbau für die Last der Vorrichtungen in der Bälgekammer diente. Die vier steinernen Stützen ahmen in Gestaltung und Profilierung eine Holzkonstruktion nach. Die Empore trägt jetzt eine Balustrade mit einem gotischen Maßwerk, die bei dem Umbau im Jahre 1875 nach einem in der Kirche erhaltenen kleinen Rest einer solchen angefertigt worden war.
Aus der Schloßkapelle überführte man in die Busmannkapelle einen Taufstein (Taf. XIII) und einen Altar. Der kelchartige Taufstein entstammt in seinen wesentlichen Teilen der Mitte des 16. Jahrhunderts, 1602 wurde er mit farbigen Steinen, verschiedenen Marmorsorten und Serpentin verziert und soll 1662 nochmals verändert worden sein. Am Fuße des Steines sitzen unter Bogenarchitekturen vier Putten in Mönchskutten, an der Ausbauchung verbinden Blumengehänge mit Putten und Vögeln je vier Doppelhermen. Das eigentliche Becken des Kelches aus rotem Marmor bilden vier vergoldete Alabasterreliefs, die Sündflut mit der Arche, den Zug der Juden durch das rote Meer, die Taufe Christi und die Kinder werden zu Christus gebracht, darstellend. Diese Reliefs werden von Nischen aus Serpentin, die mit jonischen Säulen eingefaßt sind, getrennt. Den oberen Aufbau begrenzt als unterer Abschluß eine Platte mit Diamantquadern in verschiedenen Marmorarten. Der Deckel des Taufsteines mit einem vergoldeten
- ↑ W. Mackowsky, Giov. Maria Nosseni und die Renaissance in Sachsen. Berlin 1904. S. 13.
- ↑ Vielleicht ist der Prospekt nach einem Entwurfe George Bährs hergestellt worden. Gurlitt erwähnt in Heft 21 S. 95 der Bau- und Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen eine Zeichnung für diesen Orgelprospekt, die sich in der Sammlung der Königl. Sekundogenitur befindet und von der Hand George Bährs herrühren könnte. Bei Marperger, Historie und Leben der Baumeister, Hamburg 1711, wird auf diese Tätigkeit Bährs hingewiesen und gesagt, er habe stattliche Orgelwerke („so nach Florenz gekommen“) verfertigt.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/35&oldid=- (Version vom 20.2.2026)