Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/37

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Dachfußbodens morsch geworden. Den morschen Dachboden belasteten außerdem große Mengen von Schutt, der von der unterbrochenen Dachausbesserung und dem früheren Turmbau herrührte, und das noch dort lagernde Getreide, wodurch die begründete Befürchtung für einen Gewölbeeinsturz bestand. Der Hof hatte sich seit dem Jahre 1597 den Dachboden der Sophienkirche als „Hof- und Futterboden zum Aufschütten des Hofgetreides“ vorbehalten. Auf dieses Recht verzichtete erst Kurfürst Friedrich August im Jahre 1778 gegen eine Entschädigung von 3000 Thlrn.[1] Die Lasten wurden entfernt und nach Fertigstellung der Dacharbeiten eine neue Dachfahne aufgestellt, die auf der einen Seite die Jahreszahl der alten 1674, auf der anderen die neue 1772 trug. Die Fassade wurde abgeputzt. Durch die Entfernung des gotischen Maßwerks und der verwitterten steinernen Pfosten und Gewände der zwanzig Fenster, sowie der kleinen runden Butzenscheiben, die durch ihre Bleifassungen viel Licht wegnahmen und durch größere Glastafeln, je vier in der Fensterbreite, ersetzt wurden, erhellte man die Kirche. Ein neuer weißer Anstrich im Inneren verstärkte die Erhellung. Die noch in der Kirche vorhandenen Epitaphien, Bilder und Inschriften wurden vom Staube befreit und die metallenen Teile poliert. Einen Teil derselben hatte man vor Jahren entfernt, worüber ein Verzeichnis von 1738 Aufschluß gibt,[2] welches zugleich berichtet, daß alle Helme, Degen, Handschuhe, Dolche, Sporen und Fahnen dem Stubenheizer des Rathauses zur Aufbewahrung in der Rüstkammer übergeben worden waren. Die Tressen, Fransen und Spitzen der Fahnen wurden zur Schätzung dem Ältesten der Gold- und Silberarbeiter ausgehändigt.

Kleine Ausbesserungsarbeiten fanden in der Sakristei, an der Chortreppe, an der Orgel durch den Hoforgelmacher Joh. Gottfried Hildebrand statt; Orgel sowie Kanzel erhielten einen neuen Anstrich. Auch wurde an den Schwibbogen der Kirche manches gebessert. Die Instandsetzungsarbeiten nahmen 4½ Monate Zeit in Anspruch und kosteten 4480 Thlr.

Ein verschiedene Umstände hervorhebendes Gutachten der Baugewerken wies auf die Notwendigkeit hin, die Kirche mit einer hohen anstelle der bisher vorhandenen niedrigen Mauer in gleichem Abstande zu umgeben. Als Gründe wurden das schlechte Aussehen der vielen kleinen Anbauten der Kirche, die gleichzeitig Stellen zur Ansammlung von Unreinlichkeiten darböten, Einbruchsgefahr durch liederliches Gesindel und als Hauptgrund die Störung des Gottesdienstes durch das viele Reiten und Fahren auf der Großen Brüdergasse angegeben.[3] Die Mauer wurde, nachdem schon einige Jahre vorher Kurfürst Friedrich August die Erlaubnis erteilt hatte und im Jahre 1779 das Hofbrau- und Malzhaus an der Sophienkirche abgerissen worden war, im Jahre 1794 aufgeführt. Bei dieser Gelegenheit äußerte der Kurfürst den Wunsch nach einer Verlegung der um und


  1. Ratsakten B. II. 109b.
  2. Ratsakten B. 108y.
  3. Ratsakten B. III. 27. S. 47.
Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/37&oldid=- (Version vom 20.2.2026)