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bisher eine ritterliche Altertümlichkeit in diesen Kloster- und Todeshallen entgegenstand. Und von den werthvollsten Erinnerungszeichen, von dem neu geschmückten Altargebäude, von dem reingeläuterten Orgelwerke, von den uns umgebenden Geschichtsdarstellungen, von den verjüngten Gebilden der ehrwürdigen, hier schlummernden Hüther und Seelsorger unserer Vaterlandskirche gilt es fürwahr recht erhebend: sie leuchten, sie sprechen um uns in gebührendem Glanze!“

Einige andere Sätze der Zillerschen Predigt dürften für alle Zeiten beherzigenswert sein: „Die Veränderungen sagen dem stolzen Erbauer: Das Werk deines Baues, wie das Haus deines Leibes, wird vergehen und von verschiedenen Geschlechtern dereinst anders umgestaltet werden. Sie sagen dem einseitigen Künstler: Der Glanz und Geschmack deiner Zeit und Fertigkeit reicht nicht über alle kommenden Geschlechter hinweg, sie werden einmal anders bilden, schmücken und schaffen, als du. Sie sagen dem Forscher der Vorzeit: dein Wissen und Preisen der Vor- oder Mitwelt darf ihres Alters Würde und ihrer Neuheit Fortschritt nicht befangen vergessen.“


Zwanzig Jahre nach der inneren Umgestaltung der Kirche ging man daran, auch ihre äußere Erscheinung völlig zu verändern. Die geschmackvollen Instandsetzungsbauten der der Kirche benachbarten Zwinger- und Museumsgebäude ließen die Sophienkirche in ihrem alten Gewande nach der allgemeinen Ansicht unvorteilhaft abstechen. Insbesondere waren es der Backsteingiebel der Westseite, sowie die das Portal derselben umfassenden Anbauten, die den Schönheitssinn der Leute verletzten. Ein Schreiben des Oberbürgermeisters Pfotenhauer vom 1. Juni 1854[1] gibt der öffentlichen Meinung Ausdruck und weist auf die Notwendigkeit eines Umbaues dieser ältesten Dresdner Kirche hin, um so mehr als die deren Namen tragende Stiftung in der Lage war, den Herstellungsaufwand bestreiten zu können.[2] In einer Ratssitzung vom 15. Juni 1854 wurde die Errichtung eines neuen Portalbaues und die Verblendung des Giebels genehmigt und beschlossen, Zeichnungen und Anschläge einzufordern, nach deren Prüfung der Bau in Angriff genommen werden sollte.

Das darauf am 26. Juni erlassene Ausschreiben ist für die Anschauungen der Zeit bemerkenswert.

Bekanntmachung.

Wir haben im Einverständnisse mit den Herren Coinspektoren des Sophien-Aerars beschlossen, die nach Abend gelegene Giebelseite der hiesigen Hof- und Sophien-Kirche unter gleichzeitiger Ausführung des Portalbaues architektonisch verzieren zu


  1. Ratsakten B. III. 103.
  2. Der Vermögensbestand der Sophienkirche hatte am 31. Dezember 1833 248 944 Taler 27 Ngr. 4 Pf. betragen. Für die Herstellung des Inneren der Kirche waren im Jahre 1834 4955 Taler 2 Pf. ausgegeben worden, sodaß am 31. Dezember 1834 244 577 Taler 4 Ngr. 8 Pf. verblieben. Dieser Bestand hatte sich bis zum Jahre 1854 noch um 700 Taler 19 Ngr. 8 Pf. vermehrt.
Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/40&oldid=- (Version vom 20.2.2026)