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Das Sommersche Projekt war eine Zweiturmanlage. Es zeichnete sich aus durch den Versuch, die aus der Zeiterfordernis und dem veränderten Ritus entstandenen kleinen Anbauten seitenschiffartig dem Gebäude beizugeben und dementsprechend unterzuordnen. Einen bequemeren Verkehr suchte er durch Vermehrung der Vorplätze, Treppen und zusammenhängenden Korridore zu erreichen. Zu ebener Erde hatte Sommer einen umlaufenden Kreuzgang als Votivhalle für verdiente Verstorbene angeordnet und die Errichtung von zwei Monumenten geplant, eins für Herzog Heinrich den Frommen, das andere für die Kurfürstin Sophie. Sommer war bestrebt, die äußeren Merkmale der Kirche, die auf den ursprünglich katholischen Ritus hinwiesen, zu verdecken und dafür kennzeichnende aus der protestantischen Zeit hervorgegangene Formen zu entwickeln und zur Erscheinung zu bringen. Er wollte die Formen des Renaissanceportals mit denen der gotischen Fassade verschmelzen, obwohl er an dem Grundsatze festhielt, daß die vorhandenen mächtigen Gewölbe, das seltene Beispiel einer Kirche mit doppeltem Chorschluß und anliegender Seitenkapelle bei jeglichem Eingriff in den baulichen Zustand dazu aufforderten, nur von dem gotischen Stile auszugehen. Die Verschmelzung dachte er sich durch ein Überleiten einzelner Renaissancemotive am Portal, die ihm mit der gotischen Gliederung verwandt erschienen, in gotische und dadurch eine Vereinigung des Horizontalen mit dem Vertikalen zu finden. Aus solcher Entwicklung und Verbindung wäre eine überreiche Fassade entstanden, deren Ausführung der großen Kosten wegen schon nicht möglich war. Im Inneren ordnete er neue Emporen aus Eisen mit sechszölligen eisernen Säulen an, um möglichst viele Plätze zu gewinnen. Das schöne Renaissanceportal wollte er, wenn es nicht an der Fassade zu verwenden war, in das Innere der Kirche versetzen und die Kanzel in das Portal einbauen. Sommer trat mit großer Liebe für die Erhaltung des überkommenen Alten ein. In seinem Erläuterungsberichte sprach er von der rücksichtslosen Entfernung der alten Grabmonumente und machte als Bitte den Vorschlag, entweder die Sophienkirche durchaus zu erneuern oder dieselbe mit ihrem ergrauten, mannigfache Erinnerungen auslösenden und deshalb jedem Vorübergehenden achtunggebietenden Aussehen im gegenwärtigen Zustande zu erhalten.
Das lobenswerte Streben Sommers, das Renaissanceportal auf alle Fälle an oder in der Kirche zu belassen, dem auch die Absicht des Rates entsprach, der diesem Portale zuliebe in seinem Ausschreiben ausdrücklich forderte, daß der Stil der Erneuerungsarbeiten mit dem der in Nähe der Kirche befindlichen Zwingerbauten, die man mit der Bauweise des Portals als übereinstimmend betrachtete, in Einklang zu bringen sei, wurde durch ein Gutachten des akademischen Rates vom 31. März 1862, an den sich der Stadtrat gewandt hatte, vereitelt.[1] Er hielt es für eine würdige, die zu machenden Anstrengungen lohnende Aufgabe, in
- ↑ Ratsakten B. III. 103.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/42&oldid=- (Version vom 20.2.2026)