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der Sophienkirche das einzige, wenn schon nicht aus der besten Zeit des Stiles stammende Bauwerk, durch das seiner Meinung nach die eigentlich nationale gotische Bauweise in der Stadt vertreten wurde, vollständig in der Art des vorhandenen Ursprünglichen zu erhalten. Er riet deshalb zur Beseitigung der im Laufe der Zeit hinzugekommenen störenden Anbaue und zu einer stilgerechten Ergänzung des unvollendet Erscheinenden. Nur eine solche Restauration, glaubte er, könne vor dem Richterstuhle der Kunst Billigung finden. Aus diesem Grunde erklärte sich der akademische Rat gegen die Rücksichtnahme auf die Zwingerbauten und gegen die Beibehaltung des, wie er sich ausdrückte, an sich sehr wertvollen Hauptportales, dem er ein nur vorübergehendes Asyl im Inneren der Kirche zugestehen wollte. Der akademische Rat schlug die Aufstellung eines neuen Programmes und eine beschränkte Konkurrenz durch Auftragserteilung an einige der anerkannt tüchtigsten, besonders mit dem hier in Frage kommenden Baustile vertrauteren Architekten vor. Er empfahl den Preisträger Sommer, den Architekten Prof. Arnold als „den Urheber mehrerer sehr lobenswerter Entwürfe zu Kirchen und anderen Bauten im gotischen Stile“ und die Architekten Giese und Schreiber. Ein Separatgutachten hatte das Mitglied des akademischen Rates Prof. Hermann Nicolai abgegeben, in dem er sich dafür aussprach, die Sophienkirche durchaus in den ursprünglichen Stil wieder zu versetzen, nichts Neues hinzuzubauen, sondern alle nicht aus gotischer Zeit stammende Anbauten zu entfernen, um den mittelalterlichen Rest der Kirche als einen ehrwürdigen Schmuck der Stadt zu erhalten. Er stimmte dagegen für einen neuen Kirchenbau an geeigneter Stelle mit der Verwendung des Renaissanceportales.
Professor Arnold wurde mit den Erörterungen und Vorarbeiten für die Herstellungen am Giebel beauftragt. Seine Planung und seine später ausgeführten Arbeiten erfüllten den allgemeinen Wunsch, das altehrwürdige Gotteshaus zu erhalten, allerdings in einer Weise, die den alten Bau fast vollständig umkleidet und derart verändert hat, daß die alten erhaltenen Reste im Außenbau nicht mehr in die Erscheinung traten.
Bevor Arnolds später ausgeführtes Zweiturmprojekt angenommen wurde, hatte er eine Anzahl Entwürfe eingereicht, um insbesondere den Einwand, seine Planung gäbe von der Zwingerseite keine schöne perspektivische Ansicht, abzuwenden. Es waren ein Einturmprojekt mit dem Turm an der Südseite, ein Einturmprojekt mit dem Turm an der Mitte der Westfassade, eine andere Planung stellte die Kirche ohne Türme dar und beabsichtigte die Unterbringung der Glocken im Giebel. In seinem Gutachten[1] befürwortete er die Inkrustierung des Giebels mit Sandsteinplatten und die Errichtung eines Vorbaues mit Treppentürmen an dessen Ecken, die einen aufstrebenden Abschluß erhalten sollten. Er berechnete den Giebelumbau auf 18 325 Thlr. und erhielt darauf vom Stadtrat den Auftrag,
- ↑ Ratsakten B. III. 103. Bl. 93.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/43&oldid=- (Version vom 20.2.2026)