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zu beschaffen und eine Vergrößerung des Altarplatzes vorzunehmen. Die vorgelegte Planung des städtischen Hochbauamtes beabsichtigte die Erneuerung des Holzfußbodens, die Verbreiterung der Gänge zwischen den Bänken und eine Veränderung der Sitzplätze, deren bisherige Anordnung den unbehinderten Ausblick auf Kanzel und Altar von vielen Stellen beeinträchtigte.

Daraufhin ersuchte die Inspektion der Sophienkirche im Jahre 1908 den Verein für kirchliche Kunst um eine gutachtliche Meinungsäußerung, der sich seinerseits an seine Vereinsmitglieder, die Architekten Schilling und Gräbner, um Abgabe eines Gutachtens und Erstattung von Vorschlägen wandte. Die Firma Schilling und Gräbner legte drei Projekte vor, die in der Hauptsache die Entfernung von Pfeilern und der alten Gewölbe und dafür die Anlage einer Horizontaldecke vorsahen.[1] Ein von Paul Wallot eingeholtes Gutachten vom 24. März 1909 sprach sich entschieden gegen das Schilling und Gräbnersche Projekt aus und betonte, „daß der Verlust des Charakters der alten zweischiffigen Kirche mit ihren schönen gotischen Gewölben schon der Tradition wegen tief zu beklagen wäre“. Auch das Direktorium des Vereins für kirchliche Kunst wünschte die Eigenart der Kirche erhalten zu sehen. Der Oberbürgermeister Dr. Beutler und der Vorstand des Kirchenamtes, Dr. Krumbiegel, entschieden sich für die Erhaltung der alten Bauteile, und der Rat beschloß die Ablehnung der Schilling und Gräbnerschen Pläne und die Annahme der Vorschläge des Hochbauamtes.

Vor der Inangriffnahme der Arbeiten hatte die Königliche Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler auf Veranlassung ihres Mitgliedes Cornelius Gurlitt im Dezember 1909 den Rat ersucht, beim Abnehmen des alten Fußbodens in der Kirche nach dem Grabe des im Jahre 1472 in der Sophienkirche bestatteten Staatsmannes Gregor Heimburg zu suchen, eines der bedeutendsten Männer des XV. Jahrhunderts, eines der würdigsten und edelsten Vorläufer der Reformation.[2]

Nach der Entfernung des Balkenlagers unter dem Bretterfußboden fand man, von einer Schuttschicht bedeckt, den Boden der Kirche mit Grabplatten, zumeist aus dem 17. Jahrhundert stammend, belegt. (Taf. XVII.) Der ganze Raum unter der Kirche war mit Grüften ausgestattet, die zwei-, drei- und vierfach übereinander angelegt, wegen schlechter Mauerung der Gewölbe aus losen Ziegeln ohne Mörtel in sich zusammengestürzt vorgefunden wurden. Die Grabplatten waren an vielen Stellen in die Grüfte hineingefallen.

Die weitere Durchforschung ergab, daß die den Pfeilern und Mauern benachbarten Grabstätten tiefer gegründet waren, wie diese selbst, daß Emporenpfeiler über eingestürzten Grüften standen, somit keine untere Stütze hatten und nur mit ihren Kapitälen an den Emporen hingen. Dieser Befund ließ den Bestand des ganzen Gebäudes gefährdet erscheinen. Deshalb mußten größere bauliche


  1. Jahresbericht d. Vereins f. kirchl. Kunst im Königreich Sachsen. 1909.
  2. O. Richter, Gregor Heimburgs Grab. Dresdner Geschichtsblätter VI. Jahrg. 1897. No 4, S. 69.
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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/48&oldid=- (Version vom 23.2.2026)