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Durch Verlegung der Silberkammer, die den südlichen Chor abschloß, ist dieser bisher zugebaute zweite Chor freigelegt und damit der Kirche ein wesentliches Moment ihrer Raumwirkung zurückgegeben worden.
Unter technisch sehr erschwerten Umständen fand die Anlage einer neuen, gegen Grundwasser gesicherten zweiräumigen Krypta zur würdigen Aufstellung der aus der alten unter dem Altare befindlichen Gruft dahin überführten Fürstensarkophage statt. Die von einer dicken Schmutzschicht befreiten prächtigen Zinksärge lassen jetzt ihre reiche, zum Teil vergoldete Verzierung mit Engeln, Girlanden, Kartuschen und Wappen in erhabener und gravierter Arbeit wieder erkennen. Die durch siebenarmige Leuchter elektrisch zu erhellende Krypta erstreckt sich unter einem Teile des Südchors und der Busmannkapelle, von der aus sie zugängig ist. Sie wurde von Maler Paul Rößler in Dresden reich ausgemalt, christliche Symbole, Inschriften, Sprüche und Flammenschwerter haltende Engel schmücken in bunten Farben Wände und Decken. Die Bauarbeiten führte Hofzimmermeister Noack nach Entwurf des Stadtbaurats Erlwein unter technischer Aufsicht des Stadtbaumeisters Hennig aus. (Taf. XVIII.)
Das Grabdenkmal Nossenis wurde aus seiner verborgenen Ecke in der Busmannkapelle hervorgeholt und an einer dem Meister würdigen bevorzugten Stelle in der Kirche wieder aufgestellt. Es steht jetzt am ersten Pfeiler am Altarplatze und damit dem Nossenischen Altare benachbart. Alle gefundenen Grabplatten sind zu ebener Erde, gegen Feuchtigkeit isoliert, in die Wände der Kirche eingelassen worden. Als Zeichen von Liebe und Verehrung einst gestiftet, geben sie nunmehr den späteren Geschlechtern Kunde von den in der Kirche Bestatteten. Als stimmungsauslösende Zeugen einer längst vergangenen Zeit bilden sie auch künstlerisch einen hervorragenden Schmuck der Kirche.
Die Wände und Decken wurden einfach weiß mit Kaseïnfarbe gestrichen, die Emporen, die Orgel und das Gestühl tief braun gehalten, einzelne Teile und Verzierungen vergoldet. Die eingebauten Betlogen erhielten hinter ihrer braunen Umrahmung eine dunkelgrüne Wand- und Deckenbemalung. An der Kanzelwand und den Wänden über den Emporen fanden die bereits früher im Schiffe der Kirche vorhanden gewesenen Bildnisse der Hofprediger wieder ihre schmückenden Plätze. Reiche bronzene elektrische Beleuchtungskörper in Traubenform nach Entwurf von Prof. Karl Groß in Dresden hängen von den Schlußsteinen der Gewölbe herab und wirken durch ihre gesammelte Lichtmasse ähnlich fein wie alte echte Kristalleuchter.
Der Vorstand des Hochbauamtes, Stadtbaurat Professor Hans Erlwein, der unter Mitwirkung des Stadtbauinspektors Karl Hirschmann die ganzen Arbeiten plante und leitete, löste die schwierige künstlerische Aufgabe mit neuzeitlichen Mitteln und Techniken und gab dem Inneren der Kirche wieder jene bedeutsame Raumwirkung und Ausschmückung, die sie, nach den vorhandenen alten Zeichnungen und Abbildungen zu urteilen, vor der Zeit ihrer Ernüchterung und Stilreinigung besaß. (Taf. XIX und XX.) Erlwein hat durch seine Planung und geschmackvollen
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/50&oldid=- (Version vom 23.2.2026)