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Die in der Kirche gefundenen Grabdenkmäler geben in ihrer Gesamtheit einen Beitrag zur Kunst und Kultur des 17. Jahrhunderts in Sachsen. Beim Lesen der Namen und Grabschriften der in der Sophienkirche Bestatteten wird so manches geschichtliche und kulturelle Bild aus dem 17. Jahrhundert lebendig. Man empfindet noch heute mit jenen Menschen die Drangsale des 30jährigen Krieges, das Bangen um die Erhaltung des Glaubensbekenntnisses, die Not der Pestjahre, von denen insbesondere die Jahre 1613, 1626, 1630 und 1637 an Heftigkeit sich auszeichneten. Der Fund bietet zugleich einen bemerkenswerten Hinweis auf die Grabmalskunst jener Zeit. Die in der Sophienkirche angetroffene Sitte, Verstorbene in der Kirche und deren Nebenräumen zu begraben und die Stätten mit Grabdenkmälern zu bezeichnen, war eine aus früheren Jahrhunderten stammende und während des ganzen christlichen Mittelalters übliche. Auch nachdem schon längere Zeit Friedhöfe, die zumeist außerhalb der Stadt angelegt wurden, bestanden, verblieb dennoch einzelnen Familien das Recht, ihre Mitglieder in den von ihnen errichteten oder erkauften Gruftbauten in oder an der Kirche zu bestatten. Die letzte Beisetzung in der Sophienkirche fand am 29. Juni 1802 statt. Der Chor der Kirchen blieb in der Regel von Gräbern frei. Hier wurden nur gekrönte Häupter oder die Stifter der Kirchen begraben. Diesem alten Gebrauche entsprechend war im Chor der Sophienkirche unter dem Altare die große Fürstengruft angelegt, in der, wie erwähnt, einige Mitglieder des Fürstenhauses in reich verzierten Zinksärgen beigesetzt worden waren.

Ist in dem Gebrauche der Bestattung in der Kirche eine alte, aus religiöser Anschauung heraus entstandene Sitte zu erkennen, so kann man auch in der Art und künstlerischen Gestaltung der Grabdenkmäler selbst die seit Jahrhunderten nachwirkende Überlieferung verfolgen. Kein Gebiet künstlerischer Betätigung ist vielleicht so beharrlich in den überlieferten Formen geblieben wie die Grabmalskunst. Wenn auch im Wechsel der Jahrhunderte und bei den einzelnen Völkern die Gestaltungsmöglichkeiten ganz verschiedene waren, Stilarten und Moden wechselten, so wurden doch alle Formen und Bildungen der Grabdenkmäler durch die gleichen Gedanken und Anschauungen bedingt. Der Abschied, die Vergänglichkeit des Irdischen, das Wiedersehen, das Nachleben nach dem Tode

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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/52&oldid=- (Version vom 23.2.2026)