Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/53

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

und der Nachruhm bewegten zu allen Zeiten die Herzen der Menschen und beeinflußten den Meißel des Bildners bei der Verzierung des die letzte Ruhestätte deckenden Denkmals.

Ihrer Art nach unterscheidet man liegende und stehende Grabdenkmäler. Unter die liegenden, die als einfache Stein- oder Bronzeplatten die Grabstätte bezeichnen, werden auch die Tumben gerechnet, aufgemauerte, mit einer Stein- oder Metallplatte bedeckte, über den Fußboden aufragende Grabmäler. Zu den stehenden Grabdenkmälern gehören als die häufigste Gestaltungsart die sogen. Epitaphien, Denkmäler, die zum Gedächtnis Verstorbener an den Wänden und Pfeilern der Kirche, zumeist in der Nähe der Grabstätte selbst, angebracht wurden. Die Epitaphien sind von der verschiedensten Art. Inschrifttafeln, Reliefs in Metall oder Stein, Gemälde, Statuen u. a., oder zur Erinnerung aufgehängte Waffen, Rüstungsstücke, Trauerfahnen und Wappenschilde werden dazu gezählt. Gewöhnlich gehörte zu einem liegenden ein stehendes Grabdenkmal, demnach zur Grabplatte ein Epitaph. Nur wenige Epitaphien sind in der Sophienkirche erhalten, zwei, die man zur Herstellung des Altares in der Sakristei verwendet hatte, das Epitaph der Herzogin Sophie Hedwig und das des Bildhauers Nosseni. Manches ist in das Stadtmuseum gerettet worden, das meiste, insbesondere alle Waffen, Rüstungsstücke und Fahnen, die auf den alten Abbildungen der Kirche zu sehen sind, ist bei den verschiedenen Instandsetzungsarbeiten, wie erwähnt, verloren gegangen.

Die Abmessungen der Grabsteine und ihre Form sind, entsprechend gleicher Entwicklung in ganz Deutschland, auch in Sachsen in den einzelnen Jahrhunderten verschieden gewesen. Die älteren Grabsteine sind auffallend schmal. Sie sind häufig trapezförmig, an ihrer oberen Schmalseite etwa ein Sechstel breiter als an der Fußkante und haben dadurch das Aussehen, als hätten sie als Deckel von Steinsärgen gedient. Die Verzierung der ältesten in Sachsen erhaltenen Grabsteine besteht aus einfachen geometrischen Bildungen, verschlungenen Kreisornamenten, einem Kreuze oder einem Kreuze in Verbindung mit einem Kreis oder Halbkreis und ähnlichem in flach erhabener Arbeit. Da bei den ältesten Grabsteinen Inschriften fehlen, ist das eigentliche Alter dieser Denkmäler nicht oder nur sehr schwer festzustellen. Wo Inschriften auf solchen Steinen angebracht sind, bieten sie oft nur den Hinweis, daß diese Steine im späteren Mittelalter ein zweites Mal als Grabplatten benutzt worden sind.

Außer dieser Reliefverzierung zeichnen sich die ältesten erhaltenen Grabsteine noch durch eine andere Art künstlerischer Bearbeitung aus, welche das Bild des Verstorbenen in vertieften Umrissen, die mit einer schwarzen oder roten kittartigen Masse ausgefüllt wurden, auf den Steinen zur Darstellung brachten. Dieses Verfahren fand Anwendung, um den Fußboden der Kirche nicht uneben zu machen. Als man im späteren Mittelalter zur ausschließlichen Reliefbildung bei den Grabplatten überging, wurden Maßnahmen getroffen, die das häufige Betreten der Steine verhindern und diese vor Verletzung bewahren sollten. In

Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/53&oldid=- (Version vom 23.2.2026)