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der Sophienkirche hatte man aus diesem Grunde, so lange sie in der Hauptsache Begräbniszwecken diente, die Plätze für die Andächtigen auf einzelne Teile der Kirche beschränkt und nur kleine bewegliche Sitzgelegenheiten, sogenannte „Hitschchen“ erlaubt.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kommt wie im übrigen Deutschland auch in Sachsen noch eine andere Form der Grabplatten vor, bei der die obere Schmalseite des Steines giebelartig ausgebildet ist und die Figur des Verstorbenen fast in voller Rundform von dem Steine sich abhebt. Diese Form dürfte von der italienischen Kunst beeinflußt worden sein und ähnelt in ihrer Art in mancher Hinsicht antiken griechischen Grabstelen.

Wenn auch Bildnisse in Relief schon auf Grabsteinen des 13. Jahrhunderts zu finden sind, so kann man bei ihnen von einer eigentlichen Porträtdarstellung in unserer heutigen Auffassung doch nicht sprechen. Wie in der hohen sächsischen Kunst dieses Jahrhunderts, wurden auch mit wenigen Ausnahmen in der Grabplastik Idealtypen geschaffen. Erst die Hochgotik befreit die Grabplastik von dieser Typisierung; erst dann auch wird die bis dahin innegehaltene Frontalstellung bei der Darstellung des Verstorbenen vielfach verlassen. Obwohl das Denkmal liegend gedacht ist, tritt eine belebte Beinstellung auf, und die Köpfe werden stark charakterisiert. Dieselben nach Ausdruck und Belebung ringenden Bestrebungen, wie sie in der Baukunst jener Zeit wahrzunehmen sind, kann man auch in der gleichzeitigen Bildhauerkunst beobachten. Das 15. und 16. Jahrhundert bilden dann das weiter aus, was das 14. Jahrhundert bereits vorbereitet hatte, insbesondere die Darstellung des Persönlichen in der Erscheinung, die bestimmte Durchbildung einer bis in das Einzelne naturwahren Auffassung. Das erzeigt sich auch in der naturalistischen Vorführung irdischen Verfalls und der Verwesung. Im 15. Jahrhundert bereits begnügte man sich nicht mehr, den Bestatteten als Toten oder Schlafenden darzustellen, der Leichenstein sollte vielfach auch für den Beschauer ein „memento mori“ sein, eine Mahnung an die Vergänglichkeit von Kraft und Schönheit, deren Verfall man oft so eindringlich wie möglich zu veranschaulichen suchte, um das Gemüt des Beschauers zu erschüttern. Das im allgemeinen die Allegorie liebende 17. Jahrhundert hat davon ausgiebigen Gebrauch gemacht und durch die Zusammenstellung von Gegensätzlichem zu wirken gesucht. Auf den Leichensteinen des 17. Jahrhunderts findet sich z. B., ebenso wie in den Titelumrahmungen der gedruckten Leichenpredigten dieser Zeit, oft ein anmutig gebildeter Putto, der einen Totenschädel hält oder sich darauf stützt, manchmal mit der Inschrift „hodie mihi cras tibi“. Dieses „heute mir, morgen dir“ hatte denselben Sinn und Zweck, wie die Bildung des Gerippes auf den Leichensteinen einer älteren Zeit.

Der Platz für die Grabinschrift hat im Laufe der Jahrhunderte ebenfalls manche Änderung erfahren. Ursprünglich auf den Rand des Steines beschränkt, nimmt die Schrift, je gesprächiger die Zeit im allgemeinen in ihren Inschriften wird, immer größere Teile des Grabsteines in Beschlag. Nur die Grabsteine mit der Darstellung

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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/54&oldid=- (Version vom 23.2.2026)