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des Verstorbenen halten, selbst noch im 17. Jahrhundert, an der alten Sitte der alleinigen Randbeschriftung fest, wenn auch schon im 15. Jahrhundert Abweichungen von dieser Regel vorkommen.
Bei der Schrift selbst herrschte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Majuskel vor, um in der zweiten Hälfte seltener zu werden. Während des ganzen 15. Jahrhunderts und, wie man an dem Steine des 1526 verstorbenen Andreas Kirchhain, eines Vorstehers des Dresdner Franziskanerklosters, als Beispiel ersehen kann, auch noch in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, bleibt der Gebrauch der Minuskel bei Grabinschriften üblich. (Taf. XXI, Abb. 1.) Daß in den Übergangszeiten Ausnahmen vorkommen, einzelne Vermengungen stattfinden, daß es zu allen Zeiten ältere Meister gegeben hat, die noch in ihrer alten gewohnten Richtung weiter arbeiteten, während schon neue Formen in Gebrauch waren, muß auch bei der Gestalt der Buchstaben, will man sie für die Zeitbestimmung des Grabsteines heranziehen, berücksichtigt werden. Auch dafür können, wie bei allen anderen Äußerungen der Kunst, nur allgemeine Richtungslinien angegeben werden. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts kommt in Sachsen, wie allenthalben in Deutschland, die durch den Humanismus eingeführte Antiqua-Kapitale in Anwendung. Für diese so ornamental wirkende verschnörkelte Schrift mit den wiederum aufgenommenen großen Buchstaben finden sich in Sachsen wertvolle Beispiele. Die Steine des 17. Jahrhunderts in der Sophienkirche zeigen die lateinischen Inschriften mit wenigen Ausnahmen aus großen Buchstaben zusammengesetzt, während die deutschen Inschriften in ihrer Mehrzahl nur mit großen, mit den im 17. Jahrhundert so beliebten Schreiberzügen ausgestatteten Anfangsbuchstaben versehen sind. Zu allen Zeiten bildete die Schrift auf den Grabsteinen einen wesentlichen Teil der Verzierung.
Neben dieser beanspruchen auch die Wappen eine besondere Beachtung. Schon im 15. und 16. Jahrhundert wird von der Anbringung von Wappen auf den Grabsteinen reichlich Gebrauch gemacht, derart, daß das oder die Wappen oft den größten Raum auf dem Grabsteine einnehmen, wie ein Beispiel aus der Sophienkirche, der Grabstein der Ursula Grunebergin (?), † 1479, zeigt, der bis zu seiner Bergung im Jahre 1910 einem Gasmesser als Fußplatte gedient hat. (Taf. XXI, Abb. 2.) Der Stein war durch diese Verwendung verstümmelt worden, und die Inschrift darauf ist nur noch undeutlich zu erkennen.[1] Das Wappen ist einfach gequert, die Helmzier scheint ein gotischer Schaller mit reich gezaddelter Decke zu sein. Die Inschrift, sonstiges Zierwerk und selbst die etwa dargestellte Persönlichkeit des Verstorbenen treten häufig vor den Wappendarstellungen zurück. Als Grund dafür hat man wohl mit Recht den Stolz der Familie auf die Abstammung des Toten bezeichnet. Der Grabstein sollte eine bestimmte Urkunde in familiengeschichtlicher Hinsicht sein. Das kommt nicht nur bei Mitgliedern von Adelsfamilien in Betracht, auch unter
- ↑ Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen Heft 21 S. 96.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/55&oldid=- (Version vom 23.2.2026)